Vom Geschäftsbericht zum Online Reporting: Potentiale und Herausforderungen

Heute genügt es nicht mehr, Statistiken für Dokumente und Publikationen gut visualisieren zu können. In Zeiten des digitalen Wandels müssen sich Statistiken mehr „bewegen“. Zum Beispiel Geschäftsberichte zu Online Reporting. Der Weg zum Online Reporting erfordert jedoch deutlich mehr, als ein PDF 1:1 in Webseiten zu übertragen.

Zu diesem Thema hat die Münchner Marken- und Kommunikationsagentur hw.design eine Studie verfasst, die ich hier vorstelle.

 

Die Studie

Digitale Kommunikation muss sein, wenn man heute gut gesehen werden will.
Jedoch: „Online Reporting – Wie entsteht Mehrwert?“ fragt berechtigt die Studie von hw.design.

Dafür untersuchte ihr Autor Kaevan Gazdar „branchenübergreifend Digitale Reports der wichtigsten Unternehmen weltweit darunter

  • Bayer,
  • BMW Group,
  • Deutsche Telekom,
  • HUGO BOSS,
  • LafargeHolcim Ltd.,
  • Metro,
  • ProSiebenSat.1 Media SE,
  • Roche,
  • SAP

hinsichtlich verschiedener Qualitätskriterien“. (Pressemeldung, Seite 1)

Die Studie soll Orientierung zu Formaten des Online Reporting bieten.
Was ist wichtig, notwendig, in, out? Was hat Potential? Wo liegen Herausforderungen?

Sie setzt das mit diesen Betrachtungsebenen um

  1. „Bestandsaufnahme: Einsatz und Nutzung von Digitalen Geschäftsberichten,
  2. Umsetzungsvarianten und Qualitätskriterien,
  3. Typologie der Geschäftsberichte,
  4. Ein weites Feld: Nachhaltigkeits- und Corporate-Responsibility-Reporting,
  5. Ein Ausblick: Die neue Freiheit bei Quartalsberichten.“ (Studie, Seite 4)

Online Reporting

Die Studie klassifiziert 4 Archetypen von Online Reporting

„Die Spröden bieten wenig Mehrwert gegenüber den Printausgaben.

Die Spektakulären nutzen viele multimediale Kanäle, um emotionale Inhalte zu vermitteln.

Die Strategen fokussieren eher eine schlüssige Präsentation der Zahlen und wichtigen Fakten.

Die Stars vereinen Bildhaftigkeit und Inhaltsstärke.“ (Studie, Seite 27)

 

Online Reporting

Die österreichische Post: ein Beispiel aus der Studie

„Der Finanzbericht und ein »Magazinteil« sind als E-Papers abrufbar. Es gibt aber ansonsten wenig Auflockerung oder Anreicherung des Printberichts.“ (Studie, Seite 28)

 

Online Reporting – Potentiale – eine Auswahl

„Fast Facts“
„Bei vielen Zielgruppen (Kleinaktionären, Kunden, Geschäftspartnern, Journalisten, Mitarbeitern und andere Stakeholdern) ist der Zeitfaktor von entscheidender Bedeutung.“ Niemand will „endlose Zahlenreihen und langatmige Texte auf der Suche nach Erkenntnissen durchqueren. Deswegen ist die Schnelligkeit der Informationsvermittlung ein entscheidendes Kriterium bei der Qualitätsbeurteilung von Onlineberichten.“ (Studie, Seite 17)

„Kohärenz“
„Geschäftsberichte sind keine einfache Lektüre. Ein Online Report kann die Nutzung aber erleichtern und die Quintessenz des Berichtsjahres nicht nur schneller, sondern auch sinnfälliger vermitteln. Verschiedene Servicefunktionen (Download-Manager, Vorjahresvergleiche und Online-Glossare) erleichtern die Informationslogistik.“ (Studie, Seite 17)

„Downloads“
„Im Gegensatz zur monolithischen PDF-Abfrage können Einzelteile des Berichts (Lagebericht, Gewinn-und-Verlust-Rechnung, Aktionärsbrief, Image-Rubrik usw.) abgerufen werden. In der Regel werden Einzel-PDFs (bei Textkapiteln) oder Excel-Dateien (bei tabellarischen Darstellungen) angeboten.“ (Studie, Seite 20)

Ich finde, einzelne Aspekte dieser Vorteile kann man auch schon auf dem Weg vom klassischen Reporting zum Online Reporting nutzen. So bietet man Mehrwerte und lernt dabei.

Was wäre davon für Ihre Leser nützlich? Probieren sie es bei der nächsten Reporting-Gelegenheit aus. Tragen Sie es in Ihren Kalender, um es wirklich zu nutzen.

 

Online Reporting – Potential und Herausforderung – eine Auswahl

Druck und Online ergänzen sich
„Ein Online Reporting Format sollte eine Ergänzung zu der Printversion des Geschäftsberichts darstellen: Intermedialität ist im Reporting Trumpf. Die Printversion des Berichts bleibt weiterhin relevant und gewinnt durch ihre Haptik an Wertigkeit. Es gilt jedoch, relevante Inhalte crossmedial
sinnvoll zu vernetzen und die äußerst heterogenen Erwartungen in der Stakeholderschaft über verschiedene Kanäle zu adressieren.“ (Studie, Seite 7)

„Print und Digital schließen sich dabei nicht aus oder verdrängen einander, sondern unterstützen das jeweils andere Medium und seine Leserschaft.“ (Studie, Seite 7)

Diese Ergänzung ist ein Potential. Gleichzeitig auch eine Herausforderung, denn man muss beides erstellen.

Online Reporting

Erleichtert wird die Herausforderung dadurch, dass die Druckauflagen der Geschäftsberichte zurück gehen. Mit einem gewissen finanziellen Vorteil, je nach Produktionsvariante.
Und einem Umweltschutzvorteil.

Außerdem kann man die Nutzung online noch punktgenauer auf einzelne Inhalte hin messen. Und Mediensequenzen für Social Media wieder verwenden.

Bessere Interaktion
Was man sich als Leser in einem gedruckten Geschäftsbericht oder einem PDF mühsam erarbeiten muss, findet man einfacher durch Menüs, Interaktion und bessere Suchen. „Intelligente Suchfunktionen vermeiden Nulltreffermeldungen und ermöglichen somit intuitive Zugänge zu Berichtsinhalten.“ Auch möglich zum Beispiel: „Interaktiver Kennzahlenvergleich“. (Seite 21)

Allerdings erfordert dies meiner Meinung nach mündige medienaffine NutzerInnen, die im Informationswirbel nicht untergehen, sein Vorzüge nutzen können und kritisch bleiben.

 

Online Reporting – Herausforderungen – eine Auswahl

Hoher Produktionsaufwand für Qualität

Online Reporting
Qualitätskriterien

Doch wenn man für die mediale Zukunft vorbereitet sein möchte, kommt man da ohnehin nicht drum herum.

Als Leser die „Spekatukulären“erkennen und ihr „Mehr Schein als Sein“
Denn die Gefahren sind:
„Schöne Optik, aber fehlende Bodenhaftung.“
„Magazininhalten fehlt oft der Bezug zum Geschäftsjahr.”
„Auftritt verspricht insgesamt mehr, als er hält.“ (Seite 31)

Was mir an der Studie gefällt

Die Studie bietet eine Fülle an Inspirationen für alle, die Zahlen kommunizieren. Sowohl mit den grundsätzlichen Befunden als auch mit den Details zu den betrachteten Geschäftsberichten. Und mit der Ergänzung um Nachhaltigkeits- und Corporate-Responsibility-Reporting sowie Quartalsberichte.

Auch für eine “einfachere” Statistik-Kommunikation lernt man von den Beispielen viel.

 

Was mir an der Studie nicht gefällt

„In unserer zweiten hw.d Studie haben wir den Einsatz von digitalen Geschäftsberichten speziell in Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie von ausgewählten Unternehmen weltweit analysiert.“ Darüberhinaus habe ich nichts zu Auswahlkriterien/-zeiträumen der Untersuchungsobjekte bzw. zum Studiendesign gefunden. Für mich ein Muss für Vertrauen in die Relevanz.

Es fehlt die Liste aller zitierten Quellen und aller untersuchten Geschäftsberichte – also nicht nur der bei hw.d erstellten – mit Link und Abrufdatum.

In einigen Diagrammen fehlen z.B. Jahreszahlen bzw. die Angabe, um welche Länder es da geht.
Eine Jahreszahl fehlt auch dem Titel der Studie. Sie wäre für Leser der Studie zur Einordnung notwendig.

Sollte ich etwas übersehen haben, bitte ich um einen Hinweis. Danke.

Trotz dieser etwas überraschenden Mängel, empfehle ich die Lektüre aus den weiter o.g. Gründen.

 

Mehr?
Mehr zur visuellen Kommunikation von Daten finden Sie hier im Wissensblog.

 

Quellen:
Studie
Gazdar, Kaevan (2017) Online Reporting – Wie entsteht Mehrwert? Eine Studie zur Unternehmenskommunikation im Wandel. hw.design gmbh, München

Die Studie können Sie hier studie@hwdesign.de anfordern.

Pressemeldung
hicklvesting.com (2017) Presseinformation. Unternehmenskommunikation im digitalen Wandel. HW.Design veröffentlicht umfassende Studie über Online Reports – Orientierung durch Analyse. HW.D PRESSEINFORMATION 30–08–2017

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Von | 2017-09-28T09:46:02+00:00 28. September, 2017|Daten, Visuelle Kommunikation|

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