Digitale Advance Organizer am Tag der Lehre an der FH Oberösterreich 2018

„Digitale Lehre – Fluch oder Segen?“ war das Thema des 6. Tages der Lehre am Linzer Campus der FH Oberösterreich. Mein Beitrag zeigte, wie Studenten mit digitalen Advance Organizers in Lehrveranstaltungen Orientierung bekommen, behalten und ausbauen können. Nützlich auch für Trainings.

 

Advance Organizer – Überblick bekommen

Ein Advance Organizer ist eine kognitive Lernhilfe zu Beginn einer Lehrveranstaltung. Dieser visuelle Blick aus der Vogelperspektive auf das Fach veranschaulicht den StudentInnen das Thema mit seiner Struktur sowie dem Kontext (angrenzende Themen, das Studium insgesamt,…) in dem es steht. Damit baut er Brücken zum Wissen der Lehrveranstaltung und ermöglicht auch später eine kontinuierliche Orientierung. So wird verhindert, dass Studenten in neuem Wissen „ertrinken“.

Advance Organizer meines Beitrages zum Tag der Lehre an der FH OÖ
Der Advance Organizer zu meinem Beitrag am Tag der Lehre – alle Inhalte auf einen Blick

„Ein ‚Advance Organizer’ kann als didaktisch inszenierte Verbindung zwischen Novizenstrukturen und Expertenstrukturen aufgefasst werden.“ (Wahl, 2011)
Damit wird auch das Verknüpfen zum Vorwissen der StudentInnen erleichtert. Nach Ausubel (1968) ein wichtiger Einflussfaktor beim Lernen.

 

Digitale Advance Organizer – Überblick behalten, ausbauen

Dieses Format der Lernorganisation wird schon seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Bildung genutzt und beforscht (Wahl, 2011). Heute vergrößert sich durch erweiterte Lernszenarien und freie Visualisierungssoftware die Anzahl der möglichen Einsatzgebiete für mehr Lernerfolg. Gleichzeitig ist dies angesichts der wachsenden Vielfalt digitaler Lernmaterialien notwendiger denn je, um Digital Information Overload bei den StudentInnen zu vermeiden.

Advance Organizer zum Beispiel in Moodle

Advance Organizer Zoom In
Ein digitaler Advance Organizer kann zum Beispiel in Moodle einen Überblick zum Fach geben,
im Zusammenhang mit dem Zeitplan, Aufgabenarten und digitalen Ressourcen

Im Laufe der Lehrveranstaltung kann der Advance Organizer zu einer Wissenslandkarte des Faches weiterentwickelt werden. Also zum Beispiel zur Verlinkung zu weiteren Unterrichtsmaterialien genutzt werden. Oder zur Verlinkung zu Beiträgen von StudentInnen.

Advance Organizer mit Beiträgen der StudentInnen

Überblick über den Stoff der Lehrveranstaltung und Beiträge der StudentInnen

Darüber hinaus kann das Zusammenbauen oder Ergänzen eines digitalen Advance Organizers auch eine Aufgabe für Studentinnen sein, die erworbenes Wissen nachhaltiger macht.

Advance Organizer Baukasten als Aufgabe

Advance Organizer Lückenmap als Aufgabe
Überblick ausbauen

Man nutzt damit auch Vorteile des visuellen Denkens, wie eine größere und schnellere Aufnahme von Wissen. Inhaltliche Cluster und Bilder steigern die Chance, dass Wissen den Flaschenhals des Kurzzeitgedächtnisses in Richtung Langzeitgedächtnis durchquert (Roth, 2013).
Dass Wissen kann damit besser vernetzt werden und wird „haltbarer“.

Meine Präsentation wird noch auf der Webseite des Tages der Lehre zur Verfügung gestellt werden und ich werde auch zum Tagungsband beitragen.

Tipps für Icons in Advance Organizern finden Sie hier.

 

Weitere Impulse vom Tag der Lehre

Keynote: „Hochschule 4.0 – Studium und Lehre im digitalen Wandel“ Barbara Getto:

Digitalisierung
Deterministisch betrachtet -> was macht die Digitalisierung mit uns.
Gestaltungsorientiert betrachtet -> was machen wir mit der Digitalisierung

Zitat Getto Tag der Lehre FH OÖ

Digitalisierung in der Lehre: Modernisierung? Profilierung?

„Brave New Digital World – Warum der Einsatz von digitaler Technologie nicht alles ist“ Martina Gaisch und Berthold Kerschbaumer:

Wo wollt Ihr zu Hause sein? In der Informationsgesellschaft oder der Wissensgesellschaft?

Digitale Lehre, WORST CASE
Es fehlt: Präsenzphase (Storytelling, Erfahrungswissen, emotionaler Trigger, empathische Interaktion),
didaktische Einbettung, kritische Medienhaltung, Reflexionsschleife.

„Digitales Lernen: Mythen und Prinzipien von erfolgreichen Blended Learning in der Hochschullehre“ Tanja Jadin:

Lernmythen im Licht der Forschung beleuchten und eine feine visuelle Metapher für Blended Learning ;-)

„Digitale Kompetenzen von Hochschullehrenden erfassen und entwickeln“ Michael Eichhorn:

Überraschende Heatmap, siehe Seite 3.

Und Reflexionen zum Tag der Lehre von Michael Eichhorn.

Danke FH Oberösterreich!

 

Quellen
Ausubel, D. P. (1968). Educational psychology. New York: Holt. (Wahl, 2011)
Roth, Gerhard (2013) DIE ROLLE VON MOTIVATION UND AUFMERKSAMKEIT FÜR DEN LERNERFOLG. Vortrag.

Grosty, M. (2012) Lücken Cmap’s zur Wissensüberprüfung. In: Blog Digitale schule im 21. Jahrhundert.

Novak, J.D., Canas, A.J. (2006/8) The Theory Underlying Concept Maps and Howto Construct and Use Them. Technical Report IHMC CmapTools 2006-01 Rev 01-2008.

Porta, L., Beneito, R., Melenchón, J., Marina, A. (2015) Effects of Applying the Site Map Principle in an Online Learning Environment in Higher Education. In: iJET ‒ Volume 10, Issue 7: “ALICE 2014”, 2015.

Wahl, D. (2011). Der Advance Organizer: Einstieg in eine Lernumgebung. In: H.U.Grunder, H.Moser & K.Kansteiner-Schänzlin, Lehrerwissen kompakt, Band 2, Perspektive 1.

Von | 2018-05-26T12:16:23+00:00 26. Mai, 2018|Komplexes Fachwissen, Systematisches Lernen|

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