Rezension: Video-Storytelling

„Wir schauen uns lieber in entspannter Form ein Video an, als einen anspruchsvollen Text zu lesen.“ (Mossner et al., 2017. S.9) Beklagenswert? Ja schon, finde ich. Doch besser als sich zu ärgern, ist am Text zu arbeiten und/oder Videos nutzen. Das vorgestellte Buch möchte kleinen und mittelgroßen Unternehmen das A, B, C des Storytellings mittels Video beibringen. Denn „keiner“ ist „zu klein, um mit Videos erfolgreich zu sein“. (Mossner et al., 2017, S.43)

Wie immer bei meinen Rezensionen teile ich aus dem besprochenen Buch 3 Tipps mit Ihnen.

 

Das Fachbuch…

haben Christian Mossner, Liliane Forster und Johann Mannes geschrieben. Jeder von ihnen bringt eine spezielle Perspektive zum Thema in’s Buch ein. Ihr Ziel ist, einen einfachen Zugang zum Medium Video zu geben. Weil Videos ja ein sehr vielfältiges Werkzeug in der Unternehmenskommunikation sind.

Zu Beginn argumentieren Sie, dass Videos ein Medium der Zukunft sind. Danach stellen sie ihren ganzheitlichen Video-Life-Cycle-Ansatz vor. Er besteht aus sechs Schritten. Dafür braucht es auch eine ebenfalls vorgestellte langfristige Entwicklung der persönlichen Ausstrahlungskraft. Analysierte Beispiele von Video-Storytelling aus der Wirtschaft runden das Buch ab.

Das Buch nimmt den Leser sehr ausführlich an die Hand. Damit das vermittelte Wissen nachhaltig verankert wird, enthält jeder grundlegende Abschnitt ein oder mehrere Fazits sowie Checklisten.

 

1. Teil: Video als Medium der Zukunft

Ich glaube, diese Zukunft begann schon gestern und ist heute. In diesem Bereich des Buches gehen die Autoren vermutlich von Lesern aus, die noch umfassender überzeugt werden müssen. Dazu gehöre ich nicht. Wobei, ein paar Argumente waren auch für mich drin. Zum Beispiel

  • die große Neigung von Entscheidern, Videos für Evaluation und Entscheidungsfindung anzusehen,
  • die höhere Chance von B2B-Verkaufsabschlüssen mit ergänzenden Videos,
  • die Menge an Videozugriffen von Konsumenten.

Nützliche Argumente, um andere besser zu überzeugen.

„Im Rahmen der Kundenkontaktpunkte gibt es viele Möglichkeiten, Kunden zu begeistern oder zu verärgern. Viele Anleitungen für Produkte sind kompliziert und einfach schlecht verständlich. Sucht man dann auf Youtube ein passendes How-to-Video und findet zu seinem Produkt keine Anleitung, dafür sehr viele für Konkurrenzprodukte, kommen die ersten Zweifel auf, das richtige Produkt gekauft zu haben.„ (Mossner et al., 2017. S.64)

Und warum nicht einfach nur ein Video? Warum Video-Storytelling? „Produkte werden immer austauschbarer. Menschen mit ihren Geschichten sind einzigartig.“ (Mossner et al., 2017. S.75)

Video-Storytelling return of communication investment

Ich bin überzeugt, dies gilt nicht pauschal für unterschiedliche Fachinhalte. Und hängt auch vom Analysedesign ab. Nichtdestotrotz, regt es an, auf den ROI der eigenen Kommunikationsformate zu schauen.

 

2. Teil: Der Video-Life-Cycle-Ansatz.

Jetzt geht es an die Arbeit: „Die Herausforderung: Die Geschichte attraktiv gestalten und publizieren.“ (Mossner et al., 2017, S.56) Bei all der damit verbundenen Arbeit, sollte man zum Schluss den „klaren ‚Call to Action’-Aufruf oder eine aktivierende Botschaft“ nicht vergessen.“ (Mossner et al., 2017, S.56) Überraschender Weise passiert das durchaus oft.

Und es geht um’s Ganze: „Content, Umsetzung, Bewerbung.“ (Mossner et al., 2017, S.56) Denn erfolgreiches Video-Storytelling braucht mehr als das Video:

Video-Storytelling Life-Cycle

Eigentlich geht man auch hier genauso gründlich heran wie bei anderen Kommunikationsformaten.

Diesen Etappen widmet das Buch den größten Teil seines Inhaltes. Und geht sehr gründlich vor. Wie schon erwähnt mit vielen Checklisten. Zum Beispiel mit 3 Checklisten zur Stakeholder-Analyse. Damit gelingt die „Übersetzung“ vom Buch in die Praxis sicher besser. Kleine Kostenproben der vielen Checklisten finden Sie hier auf der Buchwebseite der Autoren.

Als Storytelling-Fan finde ich unter anderem die Checkliste zu „möglichen Extrempunkten für Geschichten interessant. Und als Nutzerin von Limbic Pitches die Checkliste zu „relevanten Punkten einer „Value Proposition’“. 1. Platz: „Mehr Wissen“ :-D (Mossner et al., 2017, S.72)

Interessant auch: „Wir reagieren am stärksten auf andere Menschen.“ „Einer der wichtigsten Bezugspunkte für den Menschen ist das Gesicht: Die Mimik, verbunden mit Sprache und Hintergrundmusik, ist die stärkste Form der Kommunikation und löst mit Abstand am meisten Emotionen aus. Zeigen sich Menschen in einem Video, fangen die Spiegelneuronen an, bei den Betrachtenden ihre Wirkung zu entfalten, und sorgen für Interesse, Verständnis und Empathie gegenüber dem Protagonisten.“ (Mossner et al., 2017, S.74)

Nach dem Video ist vor dem nächsten Video. Die Wirkung zu messen hilft, sich zu verbessern. Wenn man „eindeutig definierte Ziele“ hat! Also für „Wertschöpfungsfunktionen“ „quantitative Ziele“ und „indirekte Ziele, die so gut wie möglich quantitativ messbar sind“. (Mossner et al., 2017, S.120ff)

 

3. Teil: Langfristige Entwicklung der persönlichen Ausstrahlungskraft

„Die Kamera hält jeden kleinen Fehler fest.“ „Nach dem Schock folgt die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit“ „Jeder muss seine eigene ‚Schokoladenseite’ finden und sich inhaltlich und visuell attraktiv darstellen.“ Denn „nur wer sich selber gut kennt, kann auch authentisch auftreten.“ (Mossner et al., 2017, S.126, 128, 146) Dafür gilt es, „Auftrittskompetenz“ zu entwickeln.

 

4. Teil: Video-Storytelling-Beispiele aus der Wirtschaft

Marketing, Vertrieb, Services und Post Sales, Human Resources und Unternehmenskommunikation – es gibt eine Vielfalt an Bereichen, denen Video-Storytelling nützen kann.

Video-Storytelling Inhalte
Und es gibt eine Vielzahl an möglichen nützlichen Inhalten

 

Video-Storytelling – 3 Tipps

  1. Einfach (nur) Reputation? Ein wichtiger Schritt zu Vertrauen und damit Aufträgen! Ein Malermeister, „zeigt sich stolz und spricht mit Leidenschaft über seinen Beruf. Er ist sauber angezogen, hat keine Farbspritzer auf der Kleidung.“ „Seine Aussagen wirken kompetent, authentisch, kundenorientiert und glaubwürdig. Gerade bei privaten Kunden, bei denen ein Maler nicht selten alleine im Haus oder in der Wohnung arbeitet, spielt die Seriosität und Vertrauenswürdigkeit eine ganz wesentliche Rolle.“
    Ergotherapeutinnen mit Video, „welches das Team vorstellt und durch die Praxis führt, während die Therapeutinnen an der Arbeit sind.“ (Mossner et al., 2017, S.45f)
  2. Wertschätzung! „Von Mitarbeitenden selbst gemachte Videos sind wesentlich authentischer und glaubwürdiger als extern hergestellte Videobotschaften. In der Regel haben sie sehr gute Kenntnisse der eigenen Organisation.“ Stilles Wissen der Mitarbeiter inklusive! „Zudem erfüllt es sie fast immer mit Stolz, in einer solchen Rolle vor der Kamera zu stehen. Die Glaubwürdigkeit ist darum wesentlich höher, und die Person, die als Moderator agiert, wird zum Vorbild für Management und Belegschaft.“ (Mossner et al., 2017, S.45f)
  3. Nach einer Veranstaltung können die produzierten Livestream- Daten dem interessierten Publikum auf Abruf, also on demand, zur Verfügung gestellt werden.“ Das klingt vielleicht gängig oder selbstverständlich. Und doch bin ich überzeugt, da geht noch was. Mit dieser Idee kann man strategisch spielen, sowohl gratis als auch bezahlt. (Mossner et al., 2017, S.26)

 

Was mir am Buch gefällt…

Das so viele Aspekte bedacht werden.
Die ganzheitliche Herangehensweise.
Die hilfreichen Fazits und Checklisten.

 

Was mir am Buch nicht gefällt

Der Teil 1 ist zu lang.

 

Mein Gesamt-Fazit

Ich finde die Teile 2 – 4 sehr hilfreich und nützlich, für die angestrebte Zielgruppe und das Ziel.

Die Strukturierung und die Hilfen können zudem didaktisches Vorbild sein für Fachbücher mit ähnlichen Zielgruppen.

 

Mehr zum Buch:
bietet die ausführliche Webseite.

(Mossner et al., 2017)
Autor: Christian Mossner, Liliane Forster, Johann Mannes
Titel: Video-Storytelling. Eine praxisorientierte Anleitung für innovative Unternehmen
Seiten: 200
Verlag: vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich
Jahr: 2017
ISBN: 978-3-7281-3836-1
Preis: € 39,00

Von | 2018-03-27T09:49:55+00:00 27. März, 2018|Komplexes Fachwissen, Systematisches Lernen|

Hinterlassen Sie einen Kommentar