Wie visualisiert man Fachwissen, damit es professionell aussieht? Diese Frage wird mir oft gestellt, wenn es um visuelle Kommunikation geht. Zwei grundlegende Tipps bekommen Sie dafür hier.

Doch zuerst sollten wir klären, was professionelles Aussehen ist. Dies fällt Fragenden oft schwer. Denn es ist so ein Gefühl. Man sieht, es sieht professionell aus, wenn man es sieht.
Vermutlich soll die Visualisierung aussehen wie vom Grafiker. Professionell meint dabei „gekonnt“ und verständlich. Grafiker lernen lange dafür. Wenn man selbst besser visualisieren möchte, weil kein Grafiker im Budget drin ist oder die Aufgabe klein ist, sollte man einiges Grundsätzliches beachten.

Visuell kommunizieren? Strategisch starten!

Bevor ich zu den zwei Tipps komme, setze ich Vorüberlegungen voraus:

  1. Sie haben sich überlegt, wem sie warum und wie welches Fachwissen kommunizieren möchten. Es lohnt sich, dafür ein SMARTes Ziel zu notieren, um es auch zu erreichen.
  2. Sie haben eine passende Informationsdichte ausgewählt. Also wieviel Inhalt wird in einer oder mehreren Visualisierungen sichtbar gemacht.
  3. Und Sie haben sich für das passende Visualisierungsformat entschieden.

Dies sind bereits Stellschrauben für Professionalität.

Visuell kommunizieren? Das Ziel erreichen!

1. Das Farbe-/Informationsverhältnis ist ausgewogen.

Hier fügen wir noch ein Rahmen hinzu und da noch eine farbige Fläche. Wir wollen ja eine schöne Visualisierung haben. Doch jeglicher Visualisierungsinhalt erhöht die kognitive Last für die Betrachter. Dies wird einem als Betrachter mal mehr, mal weniger bewusst. Doch es ist so. Instinktiv überfliegen wir immer automatisch die Bildelemente. Reduzieren Sie also besser diese kognitive Last. Lassen sie den Inhalten, auf die es ankommt, Platz zum „atmen“. Platz, damit sie richtig erkannt und verstanden werden.

Wenn nur noch Bildelemente da sind, die Inhalte/Informationen tragen, sieht die Visualisierung außerdem viel professioneller aus.

„Die Details sind nicht die Details. Sie sind das Design.“ Charles Eames

Weniger sagt mehr.

Das gilt für Tabellen wie für Diagramme, für Prozesslandkarten wie für Infografiken und weitere Visualisierungen.

Hier zwei Beispiele. Zuerst viel Farbe für wenig Information. Darunter ein ausgewogeneres Farbe-/Informationsverhältnis.

visuelle Kommunikation DiCaprio-Diagramm

Viel Aufmerksamkeit könnte man auch mit einem besseren
Farbe-/Informationsverhältnis gewinnen. Und das sogar noch schneller verständlicher.

Und noch eine Ergänzung zum Diagramm oben. Magnetische Überschriften: ja, immer. Inhaltlich korrekte Überschriften: ja, auch immer. “Refuses” ist eine Hypothese.

“Aufgeräumt” Wahlkampfspenden erklären.

2. Die wichtigsten Gestaltgesetze wurden berücksichtigt.

Elemente Ihrer Visualisierung, die nahe beieinanderstehen, werden als zusammengehörig wahrgenommen. Das Gesetz der Nähe ist das am stärksten wirkende Gestaltgesetz.
Das klingt selbstverständlich. Jedoch ist es das meiner Erfahrung nach nicht immer.

visuelle Kommunikation Infografik

Beide Fußballklubs haben rote Logos.
Man würde die Infografik schneller und besser verstehen,
wenn alle Inhalte 
zweispaltig sortiert unter den beiden Klubnamen stehen.
So wie schon das durchschnittliche Spielergehalt.

Es gilt auch, das Gesetz der Ähnlichkeit zu beachten. Visuell ähnliche gestaltetet Elemente bedeuten Ähnliches. Das beginnt schon bei Formatierungen wie fett und kursiv. Haben alle Inhalte mit gleicher Bedeutung oder Wertigkeit in der Visualisierung die gleiche Textformatierung? Und stimmen Formen von Bildelementen mit ähnlichen Inhalten überein?

Auch Dissonanzen sollten vermieden werden (Dissonanzgesetz). Zum Beispiel signalisieren uns in Mitteleuropa Rot, Gelb und Grün eine bestimmte Bedeutung. Besonders bei der Wahl der Farben für Diagramme, sollten Sie daran denken, Dissonanzen zu vermeiden.

visuelle Kommunikation keine Dissonanz

Grün, um in den grünen Bereich der Integration zu kommen

Hier habe ich nicht alle Gestaltgesetze aufgeführt. Doch wenn Sie bereits diese 3 Gesetze beachten, sieht Ihre Visualisierung professioneller aus.

Mehr detaillierte Tipps:

Hilfreich ist es auch, der MakeoverMonday-Bewegung zu folgen. Oder sogar mitzumachen.
Dies ist eine große Community begeisterter Datenvisualisierer. Regelmäßig werden existierende Visualisierungen in vielfältiger Weise verbessert. Ein zweifache „Lernraum“. Man lernt von den Verbesserungen und wenn man selbst verbessert.

Bildquellen von oben nach unten:
Titelbild Zeller, Samuel (2017) Red carpet on stairs at the MAH museum Geneva. Unsplash
Cherdarchuk, Joey (2014) SALVAGING THE PIE. Darkhorse Analytics
u/TrustLittleBrother (2019) Leonardo DiCaprio Refuses to Date a Woman Over 25.
Wolfe, Julia, Zubak-Skees, Chris (2019) What First-Quarter Fundraising Can Tell Us About 2020 FiveThirtyEight
Richter, Felix (2019) Duell auf Augenhöhe. UEFA Champions League. Statista.
loe/che (2016) Gute Integration – und das Islamproblem. Infografik der Woche. Spiele Online und Statista