Design Thinking Business Analysis

Dieses Buch ist für mich die Fachbuchüberraschung des Jahres 2012, weil es das Mapping-„Stiefkind“ concept map in’s verdiente Rampenlicht holt („Business Concept Mapping Applied“), auf überzeugende Weise im business context und dies sehr verständlich.

Das besondere Interesse des dänischen Buch-Autors Thomas Frisendal, Chef der Beratungsfirma TF Informatik, gilt der information-driven business analysis. Daraus sowie aus seinen Beratungserfahrungen entspringt ein Beweggrund für dieses Buch: „Business management lost sight of one of its most important assets, the Business Information Asset.“ Was dies bedeutet, fasst er mit der Metapher eines „’Introvert’ office building in Copenhagen“ zusammen:

„You may have some ideas what is behind most of those windows and doors. But you cannot know in detail. And you are bond to be wrong on some points. If you do not need to open the doors, you do not have a problem. Or?

Sooner or later you will have to ‚open a door’ and see what is behind it. Why? Because you must – or would like to – change something. Change – hopefully to the better is a very important driver. As you open the doors, one at time, you have to be able to put your findings into the context of what you already know.“

Wie change mit visuellem Denken – hier mit concept maps – informationssystemübergreifend möglich ist, zeigt das Buch: „With this book, I want to help getting focus on business information analysis and design (again).

Der Autor geht dafür mit den LeserInnen folgende Wege:

  • Part I Design Thinking Business Analysis (Understanding the Business. Design Thinking for Business Analysis. Business Analysis Redefined)
  • Part II Business Concept mapping (Where to Find Meaningful Business Information? How to do Concept mapping)
  • Part III Business Innovation Using Mapped Business Concepts (Concept mapping and the Next Generation IT Paradigms. Eight chapters on opportunities. Think Big, Start Small: Deliver Value to the Business)

Concept mapping von Geschäftsprozessen ermöglicht ein umfassend vernetztes Verständnis derselben. Wie bei allen map-Arten bekommt man gleichzeitig einen Überblick und sieht Details. Detailexpertisen ergeben ein gemeinsames (!!), informatives Gesamtbild. Genau damit hat man dann mehr und größere Chancen, intuitiv, kreativ, den IST-Zustand in alle seiner Vielfalt und viele Blickwinkeln berücksichtigend, Veränderungen herbeizudenken, herbeizudesignen, herbeizuführen.

Concept maps sind ein strikteres visuelles Denkformat als MindMaps. Sie gehen von einem concept/hier Geschäftsprozess und dessen Beziehungen aus. Die angenehm leicht verständlichen mapping-Regeln werden im Buch Schritt für Schritt erklärt. „Erst-mapper“ finden so in den Ablauf hinein. Für jene, die schon öfter conept maps genutzt haben, stellt der Autor neue Ideen bereit.

Concept maps können im brainstorming einfach auf einem flipchart, whiteboard erstellt, geändert, ergänzt oder mit tools erstellt/bearbeitet werden. Dafür benötigt man die Definitionen des Geschäftsprozesses und dessen Regeln.

Beim Zusammentragen entstehen viele Aha-Momente, deren Kraft auch uns in unseren Seminaren und unseren Lehrveranstaltungen immer wieder positiv überrascht. Das Schöne daran:

  • die Aha-Momente enstehen garantiert (!) immer ,
  • die Aha-Momente sind Erkenntnisse für Optimierungs-Chancen.

Der Autor zitiert dazu Roger Martin: „design thinking as having three aspects: cognitive, affective, and interpersonal (Martin, 2006).“

Wir haben dies als vernetzendes (aller Beteiligten) vernetztes (Prozesse, Aspekte,…) Denken erlebt.

„Business schools tend to focus on inductive thinking (based on directly observable facts) and deductive thinking (logic and analysis, typically based on past evidence). Design schools emphasize abductive thinking – imagining what could be possible.“ Mit dem Buch möchte der Autor business information analysis der Liste von design thinking approaches hinzufügen. Dies begründet er ausführlich.

Als Synchronizitäts-„Fan“ freut es mich, dass Frisendal eine Verbindung von Synchronizität zum design thinking sieht, mit einer wunderbaren Visualisierung durch das Zitat von Martin Bigum (2012): „Things and events, which appeared to be random when they occured, turn up to be part of a greater picture – a structure beneath the skin of daily life.“

This is the cheapest way to get real business pains out in the open! Business pains survive by staying in the dark!

Concept maps geben u.a.:

  • „einen high-level … overview … in the beginning of the project,
  • erforschen ’mysteries’,
  • prototypen,
  • dokumentieren & kommunizieren Lösungen“.

Sie sind geeignet für „Exploration -> Ideation -> Implementation.“ Siehe dazu die Abbildung Exploration aus der dazugehörigen Bild-Serie (die Linie in der Mitte unten  führt als Pfeil in das Ideation-Bild) des Autors.

Das Buch beeinhalte auch ausführliche Anleitungen für  ein schrittweises (Workshop)-Vorgehen. U.a. die faszinierende Kombination des business model canvas (Osterwalder and Pigeur 2010) mit einem darübergelegten concept map des Gilette business model. Wie überhaupt das Buch sehr viele praktische Bild-Besipiele enthält.

Je nach Situation entsteht die concept map vollständig in der Besprechung oder man bringt einige vorbereitetet maps mit, auf denen aufgebaut wird.

Zum Erfolg dieser Arbeit gehört auch, die geschäftsinternen möglichen Fundgruben von business details für die maps zu nutzen = „concept harvesting“ in betrieblichen Informationssystemen.

Detallierte Kapitel zu Chancen schließen sich an: u.a. meaingful business intelligence, open information sharing, pull instead of push.

Der Autor fasst die benefits des business concept mapping so zusammen:

  • „You are certain that the end result, e.g. a BI solution, is intuitively accessible for business users.
  • You understand the business 100%.
  • The business learns hidden facts about itself…“

Das Buch beweist den Sinn und Nutzen der concept maps für business analysis auf vielfältige Art. 
Als eine zu füllende Lücke empfinde ich dabei jedoch den zu kurz gekommenen und etwas zu „leicht genommenen“ Vergleich mit anderen map-Arten. Unter anderem hier: „Concept maps replace mind maps and are even more efficient. (The real world does not look like snow flakes, but like a mesh of connected graphs…).“ Es gibt dazu – bereits in der Literatur – wenn auch eher für learning als für business analysis – wissenschaftliche Vergleiche von map-Arten.

Verglichen mit dem Nutzen des Buches ist dies nur ein sehr kleiner Mangel und das Buch ist sehr empfehlenswert.

Im Buch fand ich das Sokrates zugeschriebene Zitat: „The beginning of wisdom ist he definition of Terms.“ Das Buch verhilft seinen NutzerInnen genau dazu.
 Es ist geeignet für Jedefrau und Jedermann, die/der Geschäftsprozesse entwickeln oder verbessern möchten.

 

Meine Erfahrungen haben mir beim mappen mit StudentInnen, Seminar-TeilnehmerInnen und für mich selbst immer wieder gezeigt: „When an ear grows sharper, it becomes an eye.“ (Rumi)

 

Zur Inspiration hier noch ein Link aus dem Buch.

Abbildung ganz oben aus dem Buch.

Autor: Frisendal, Thomas
Titel: Design Thinking Business Analysis. Business Concept Mapping Applied
Serie: Management for Professionals
Seuten: 134, 71 Abbildungen
Verlag: Springer-Verlag GmbH, Heidelberg
Jahr: 2012
ISBN Hardcover 978-3-642-32843-5
Preis: Hardcover 54,95 Euro, eBook 47,99 Euro auf der Springer website

Von | 2018-08-31T10:06:34+00:00 1. Januar, 2013|Visuelles Denken|

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