…Und nichts im Sichtbarn als des Unsichtbaren Spur.“ Friedrich Rückert

Diese kleine Chance sollten wir nutzen, um mit visuellen Strategien wertvolles Unsichtbares in Fachwissen zu erkennen.
Bei Statistiken und Texten haben wir schon mal den Text und die Statistik. Visualisierungen helfen dann, noch besser deren Nutzen zu sehen. Doch auch bei “unsichtbareren” Ausgangssituationen verhelfen Visualisierungen zu interessanten Erkenntnissen. Zwei Strategien erläutere ich hier mit Bildbeispielen.

 

Visuelle Strategie: Bild-Dialoge, die Zeiträume verbinden

Wir sind es gewohnt, dass Architekten uns neue Gebäude in Fotos oder Zeichnungen der bereits existierenden Gebäude präsentieren. So verstehen wir das Neue besser.

Visuelle Strategie: Dialog Gegenwart und Zukunft
Beispiel einer neuen Wiener U-Bahnlinie

Auch den visuellen Vergleich beziehungsweise die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit in der Stadtgeschichte kennen wir.

Visuelle Strategie: Dialog Vergangenheit und Gegenwart
Beispiel einer der Fotovergleiche der Berliner Morgenpost

Mit dem Foto-Dialog-Prinzip im nächsten Bild kann man zum Beispiel die Zukunft in Arbeitskontexten erkunden und greifbarer machen. Seien es potentielle Veränderungen wie hier:

Visuelle Strategie: Dialog Gegenwart und Zukunft
Beispiel potentieller Automatisierung von Wall Street Arbeitsplätzen (Stand 2017)

Oder die Ideengewinnung mit Unterstützung durch Fotos:
Dieser visuelle Dialog bietet sich zur Ergänzung der von mir gern verwendeten Methode des Collective Notebook an. Damit bereiten sich Teilnehmer gedanklich auf ein Thema beziehungsweise eine Aufgabe einer Besprechung oder eines Workshops vor. Jeder nutzt also die Zeit davor zu Beobachtungen und zum Nachdenken.
Collective Notebooks lassen sich mit freier Software auch einfach für die gemeinsame asynchrone Vorbereitung adaptieren.

Neben Ideen in Textform können Fotos effizienter das Sichtbare mit dem Unsichtbaren verbinden:

  • Foto des IST-Zustandes mit Annotationen, Links zu Dokumenten für Probleme, Herausforderungen, Ideen, Lösungen.

Damit kann man in der Zusammenarbeit außerdem unbewusstes Wissen der Teilnehmer besser „ansprechen“.

 

Visuelle Strategie: Artefakte transportieren mehr Wissen

Kommen wir zu Artefakten, also von Menschen hergestellte Gegenstände.

Bei firmeninternen Workshops und Weiterbildungen kann es hilfreich sein, strategische Ergebnisse auf  Flipcharts oder Packpapier-Denklandkarten als Artefakte zusätzlich zur Fotodokumentation aufzuheben. Diese physischen Ergebnisse können

  • ein (be-)greifbarereres Kommunikationstool als Fotos für Nicht-Teilnehmern sein,
  • nach dem Workshop oder in einem späteren Workshop zum Weiterdenken benutzt werden,
  • Erinnerung an der Bürowand sein.

Artefakte helfen noch mehr, wenn sie einen breiten und tiefen Überblick ermöglichen:

Visuelle Strategie: Artefakte

Beispiel “Art of the March”, online Archive der 6.000 Protest-Artefakte des Boston Women’s March vom 21.1.2017

Das ist „die größte Sammlung von Protestzeichen aus einer Veranstaltung in unseren Zeiten. Sie ermöglicht, die Bandbreite von Bedenken und Emotionen der Beteiligten zu erforschen.“ (Kantar Information is Beautiful Awards, 2018) Und transportiert damit Geschichte und Geschichten.

So ein Überblick nutzt Ihnen auch im betrieblichen Alltag, wenn Sie zum Beispiel Ihre Berichte oder Dokumente im Wissenstransfer verbessern wollen. Nehmen Sie dafür so viel wie möglich Beispiele mit in einen Workshop. Analysieren Sie was gelungen ist im Sinne der Zielerreichung. Wo haben wie didaktische Reduktion und visuelle Aufbereitung der Zielgruppe ein schnelles Verstehen ermöglicht und wo noch nicht? Bilden Sie Cluster, ziehen Sie Schlussfolgerungen.
Dies lässt sich für die Vor- und Nachbereitung auch digitalisieren.

Gehen Sie auf einen Beobachtungsflug über interne Dokumente, um für eine optimiertere Gestaltung wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen und in Zukunft mehr aus dem Fachwissen in Ihrer Abteilung, Firma zu machen.
Tipps aus meiner Arbeit für die nächsten Schritte gebe ich hier:

 

Quellen:
Kantar Information is Beautiful Awards (2018) Art of the March Archive by Northeastern University

Foto über der Überschrift von Linus Nylund frei auf Unsplash

Abbildungen im Text von oben nach unten:
WIENER LINIEN GmbH & Co KG (ohne Jahr) Gebaut für die Ewigkeit blauen U-Bahn bis zur türkisen U5. 1.Umschlagseite

Berliner Morgenpost (2016) Fotovergleich Prenzlauer Berg in den 80er-Jahren und heute. Ausschnitt

Kishan, Saijel, Son, Hugh, Rojanasakul, Mira (2017) Robots Are Coming for These Wall Street Jobs. Bloomberg. Ausschnitt
Renzi, Alessandra, Offenhuber, Dietmar, Felde, Nathan et al. (ohne Jahr) Art of the March. Ausschnitt.