Keine Zeit für Wissenstransfer* – 10 Tipps für WissensarbeiterInnen in Zeitnot
Teil 1

Keine Zeit für Wissenstransfer? Wir helfen WissensarbeiterInnen in Zeitnot mit unserer gemeinsamen Blogpostserie, Wissen wieder zu finden (howknow – Barbara Geyer-Hayden) und einfach mehr aus Ihrem Wissen zu machen (knowvis – Annette Hexelschneider).

2009 habe ich das Whitepaper 
geschrieben “Warum schreiben meine Mitarbeiter nichts auf- Inspirationen für Manager, Wissensmanager und andere Betroffene, um Barrieren zu überwinden, Motivatoren zu nutzen, Kreativität zuzulassen und Fitness zu trainieren”.
2014 wollte ich wissen, ob diese Frage noch von Bedeutung ist. Und habe eine überraschende Menge Feedback bekommen, u.a. hier in Xing.
Vielen Dank an Wolfgang Scharf für seine Hilfe und vielen Dank an alle, die mir Feedback gegeben haben.

Mit dem Feedback entstand die Idee, gemeinsam mit Barbara Geyer-Hayden 10 Tipps zum oben genannten Thema als Blogpostserie in unseren Blogs zu geben.
Wir werden danach – geplant ergänzt um GastautorInnen – die Serie als Whitepaper veröffentlichen.

WissensarbeiterInnen in Zeitnot zu helfen, ist nicht einfach, da die Herausforderungen dabei komplex sind. Wir wollen 10 Tipps für Impulse geben – langfristige und kurzfristige Impulse. Denn wir sind der Meinung, auch Pilot-Initiativen können schon etwas bewegen.

Heute geht es mir um einen langfristigen Impuls – die Beachtung und Weiterentwicklung der Kompetenz Wissensorientierung bei einem selbst und bei MitarbeiterInnen/im Team.

Was ist Wissensorientierung?

Wissensorientierung ist die „Fähigkeit, ausgehend vom neuesten Wissensstand zu handeln“. (FH Wien)

„Wissensorientierung ist die in der Persönlichkeit gegründete Fähigkeit, die im Gedächtnis fixierten handlungsregulierenden und handlungsrechtfertigenden Kenntnisse über die Beschaffenheit der für die Tätigkeit in der Arbeitsgruppe, im Unternehmen, am Markt notwendigen Sachverhalte, (Faktenwissen), sowie über die notwendigen Prozeduren, Vorgehensweisen, Strategien, Fertigkeiten … kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten und zu erweitern.“ (FH Wien)

Wie sieht es mit der Wissensorientierung bei Ihnen und Ihren KollegInnen aus?

Ich habe für einen ersten Check 7 der 28 Fragen von Volker Heyse und John Erpenbeck zur Kompetenz Wissensorientierung ausgewählt.
„Überlegen Sie dabei, ob Sie die jeweiligen Hinweise für sich bereits realisiert haben. Nehmen Sie dazu eine der möglichen drei Bewertungen vor.“ (Mache ich bereits: nein/zum Teil/ja, bewusst) „Wenn Sie meinen, Sie könnten an der einen oder anderen Stelle noch aktiver sein oder etwas noch bewusster vertreten, dann notieren sie das“:

  • „Geduldiges Analysieren
  • Gesunder Zweifel am Alltäglichen
  • Kommunikation – auch mit Wettbewerbern
  • Lernen durch Beobachtung (Was machen andere anders?)
  • Gehör verschaffen und auch widersprüchliche Meinungen verstehen
  • Gute Selbstreflexion, selbstkritische Einschätzung des Erreichten
  • Popularisierung von Lernen und Wissensvermittlung“ (Heyse, Erpenbeck, 2009, S.478)

Diese Hinweise zeigen bereits einen großen Teil dessen auf, was Wissensorientierung für WissensarbeiterInnen bedeutet und man erkennt dabei auch schon Nutzen durch diese Kompetenz.

Ein weiterer Blick auf Wissensorientierung

Angelika Mittelmann macht die Kompetenz auf diese Weise sichtbar (Mittelmann, 2013):

Wissensorientierung - Systematischer Wissenstransfer – eine betriebliche Notwendigkeit. In: Community of Knowledge - Wissensmanagement für Theorie und Praxis

Meine Meinung

Wissensorientierung ist eine „fachlich-methodische Kompetenz“. (Heyse, Erpenbeck, 2009, S.467)
Ich bin der Meinung und habe dies hier mit diesen kurzen Blicken in die o.g. Quellen zu belegen versucht:

  1. Wissensmanagement beginnt u.a. damit, dass man diese Kompetenz hat und immer weiter entwickelt.
  2. Die Weiterentwicklung dieser Kompetenz spart WissensarbeiterInnen in Zeitnot auf lange Sicht Zeit.
  3. Und hilft dem Wissenstransfer durch mehr Bewusstsein des Wertes von Wissen und mehr Fähigkeiten im proaktiven Umgang damit.

 

Wissensorientierte Unternehmenskultur

Und wie kann dann eine wissensorientierte Unternehmenskultur aussehen?
Der „Europäische Leitfaden zur erfolgreichen Praxis im Wissensmanagement“ (S. 23) sieht sie so:

  • Breitgestreute Informationsverteilung
  • Wenige Managementebenen
  • Geteilte Verantwortung
  • Prinzipienbasiert
  • Informelle Strukturen
  • Risikofreudig
  • Fortlaufende Lernprogramme
  • Multifunktioneller Fokus
  • Offen
  • Wissenteilung und –anwendung
  • Ist offen für externe Einflüsse auf die Unternehmenskultur

 

Der erste Schritt beginnt bei mir selbst

Falls Sie jetzt denken: „Meine Wissensorientierung, die meiner MitarbeiterInnen/in meinem Team/meinem Unternehmen müsste weiterentwickelt werden. Doch wollen das die Anderen überhaupt?“, wäre vielleicht ein erster Schritt „We need to be the change we wish to see in the world.“ (Mahatma Gandhi zugeschrieben)
Es gibt noch mehr Gandhi-Zitate bzw. im zugeschriebene Zitate zum Thema Wissensorientierung ;-)


*Wissen kann man nicht transferieren?!

„Der Wissensbegriff ist einer der umstrittensten Begriffe in der Psychologie, in den Sozialwissenschaften und in der sogenannten Wissensökonomie.“ (Heyse, Erpenbeck, 2009, S.466)
Umstritten – auch im Wissensmanagement – ist, ob man Wissen transferieren kann.
Wir meinen dazu:
„Informationswissen kann so wie es ist weitergeben werden; Handlungswissen muss als Netz von bedeutungsvollen Verbindungen konstruiert werden.
Informationswissen kommt auch ohne Kontext aus; Handlungswissen ist immer Teil eines Kontextes.
Mit Informationswissen kann man Handlungswissen aufbauen; mit Handlungswissen bringt man Wissen zum Handeln.“ (Heyse, Erpenbeck, 2009, S.466)

Bisher erschienen:
Teil 1 Die Kompetenz Wissensorientierung entwickeln. Siehe oben.
Teil 2 Persönlichen Wissenstransfer zeiteffizient gestalten (z.Z. offline da Website überarbeitet wird)
Teil 3 Wissenstransfer – das Wesentliche wirksam transferieren. Wie kann das gelingen?
Teil 4 Wissenstransfer-Barrieren. Was können Wissensarbeiter dagegen tun? 
Teil 5 Wann ist persönlicher Wissenstransfer zeiteffizienter als Informationsdokumentation? (z.Z. offline da Website überarbeitet wird)
Teil 6 Spart Enterprise 2.0 Zeit beim Wissenstransfer? (z.Z. offline da Website überarbeitet wird)
Teil 7 3 zeit-effiziente Wissenstransfer Methoden (z.Z. offline da Website überarbeitet wird)
Teil 8 Zeiteffizienter Wissenstransfer – 3 weitere Methoden
Teil 9 3 Arten von Wissenslandkarten für visuellen Wissenstransfer

 

Quellen
Allan, Neill, Heisig, Peter, Iske, Paul, Kelleher, Dominic, Mekhilef Mounib, Oertel, Regina, Olesen, Annie Joan, Van Leeuwen , Manon (ES) (2004) Europäischer Leitfaden zur erfolgreichen Praxis im Wissensmanagement (European Guide to Good Practice in Knowledge Management). CEN/ISSS Knowledge Management Workshop. Brüssel

(FH Wien) FHWien WKO Fach- und Methodenkompetenz – Wissensorientierung in: Interaktiver Kompetenzatlas

(Heyse, Erpenbeck, 2009) Heyse, Volker, Erpenbeck, John (2009) Kompetenztraining. 64 Modulare Informations- und Trainingsprogramme für die betriebliche, pädagogische und psychologische Praxis. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart

(Mittelmann, 2013) Mittelmann, Angelika (2013) Systematischer Wissenstransfer – eine betriebliche Notwendigkeit. In: Community of Knowledge – Wissensmanagement für Theorie und Praxis

 

Logo der Blogpost-Serie „Keine Zeit für Wissenstransfer?“ gestaltet von Annette Hexelschneider (CC BY 3.0) unter Verwendung des Icons Memory designed by Anne-Marie Nguyen (CC BY 3.0), thenounproject.com

MerkenMerken