Bevor es Excel gab: Statistikdiagramme “to affect thro’ the Eyes what we fail to convey to the public through their word-proof ears”*

Liniendiagramme, Balkendiagramme, Kreisdiagramme,… wurden bereits lange vor Excel gezeichnet. Schon damals versuchten Menschen ihre Erkenntnisse gestützt durch Daten verständlich & nachhaltig zu kommunizieren. Ein Blick auf diese Meilensteine der Statistikdiagramme zeigt, was auch ohne Excel möglich war und das damals das data/ink-Ratio dieser Diagramme oft sehr gut war. Dieses Verhältnis ist ein einfache Probe für jedes Diagramm: “erase non-data ink, erase redundant data-ink“ (Tufte, 2001). Farbe, grafische Elemente sollen Informationen transportieren – so viel wie nötig. Weg mit grafischen Elementen, die keine Information transportieren und dem Vestaendnis des Diagramms im Wege stehen.

Für eine kleine Rückbesinnung hier drei Beispiele:

William Playfair (1759 – 1823): “Scottish engineer and political economist, the founder of graphical methods of statistics” (wikipedia).

William PlayfairAbbildung Camoes (2011)

Ihm wird zugeschrieben, 1786 Liniendiagramme und Balkendiagramme für ökonomische Statistikdiagramme erfunden zu haben und 1801 das Kreisdiagramm. Auch wenn die Forschungen von Michael Friendly and Daniel J. Denis (”Milestones in the History of Thematic Cartography, Statistical Graphics, and Data Visualization”) zeigen, dass es schon vorher Linien- und Balkendiagramme gab, gebührt Playfair Anerkennung für seinen kreativen Einsatz dieser Diagrammarten zur Visualsierung ökonomischer Erkenntnisse.

*Florence Nightingale (1820 – 1910): “Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege und einflussreiche Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge in Großbritannien und Britisch-Indien” (wikipedia).
Als sie 1856 aus dem Krimkrieg zurück kam, hatte sie viel unternommen, um Leben zu retten. Trotzdem lagen ihr die nicht geretteten Leben schwer auf der Seele und sie wollte Queen Victoria überzeugen, etwas gegen die Ursachen zu unternehmen. Dafür schrieb Nightingale einen 830seitigen Report. Nicht so viel anders als manches, was wir heute tun ;-)
Allerdings erkannte sie, siehe Zitat in der Überschrift, dass die Queen wohl kaum 830 Seiten und viele, viele Tabellen lesen wuerde. Deshalb erfand sie das Coxcomb chart, um ihre Erkenntnisse schnell verständlich zu machen. Ein Blick auf die rekonstruierte und animierte Version des Coxcomb chart macht sofort klar, worum es Nightingale ging. (Rehmayer, 2008)

Emil Eugen Roesle (1875-1962): Arzt.
Er “schuf im medizinalstatistischen Bureau in Dresden die erste nationale und internationale Sammelstelle für statistisches Material zur Evaluation der Gesundheitsund Bevölkerungspolitik. Er nutzte es gleichzeitig als Laboratorium für die graphischstatistische Darstellungstechnik.” (Nikolow, 2001) Systematisch sammelte er Material und suchte Lücken zu fuellen.
Was mich an seiner Arbeit am meisten fasziniert sind die ersten (?) small multiples. Statt alle xx Linien in einem Liniendiagramm veranschaulichen xx Diagramme mit ein bis zwei Linien – und jeweils gleichen Werten für die X- und Y-Achse (!) – Medizinstatistik.
Geschaffen für die I. Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911 in Dresden. “Die meisten Statistiken wurden auf etwa 1,5 m mal 1,5 m großen, farbigen Schautafeln abgebildet. Ihnen »Leben einzuhauchen«, bedeutete für Roesle, sie als Graphiken für sich selbst sprechen zu lassen.”  (Nikolow, 2001)
Mit “Der Zug des Todes in Sachsen” entwickelt Roesle auch eine der ersten (?) Infografiken und nutzt das 3D-Format – allerdings inklusive der Schwierigkeit in 3D konkrete Werte abzulesen. Ausserdem verwendete er eine gewagt “unwissenschaftliche” magnetische Überschrift, um Interesse zu wecken.

Weder gezeichnte noch mit Excel oder mit weiteren Statistik-/Visualisierungs-Tools hergestellte Statistikdiagramme  sind per se gut oder per se schlecht. Wie so oft im Leben bestimmt die Dosis das Gift. Auch für Statistikdiagramme gilt:
Nachhaltigkeit der Kommunikation = Erkenntnis + schlüssige, einfach verständliche Umsetzung. Immer unter Berücksichtigung der Ziele, Zielgruppen und verwendeten Medien.

Mehr:
Michael Friendly and Daniel J. Denis “Milestones in the History of Thematic Cartography, Statistical Graphics, and Data Visualization“,
Video “The Joy Of Stats: The Lady With A Data Visualisation

Quellen:
Abbildung: remake eines William Playfair charts in Excel,
Jorge Camoes (2011) Excel Charts meet William Playfair. In: Blog EXCELCHARTS.COM. Effective Charts and Dasboards for Excel users

(Nikolow, 2001) Nikolow, Sybilla (2001). Der statistische Blick auf Krankheit
und Gesundheit. ›Kurvenlandschaften‹ in Gesundheitsausstellungen am Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland. In: Infografiken, Medien, Normalisierung: Zur Kartografie politisch-sozialer Landschaften. Herausgegeben von Ute Gerhard, Jürgen Link und Ernst Schulte-Holtey. Heidelberg: Synchron, Wiss.-Verl. der Autoren, 2001 (Diskursivitäten ; Bd. 1),

(Rehmayer, 2008) Rehmayer, Julie (2008). Florence Nightingale: The passionate statistician. In: Sciencenews online

(Tufte, 2001) Tufte, E. R. (May 2001). The Visual Display of Quantitative Information. Second Edition, Cheshire, Conneticut, Graphics Press.

Von | 2017-03-11T13:41:29+00:00 13. Februar, 2012|Daten, Visuelle Kommunikation|

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