Emotionen: Wissens-Werte sichtbar machen

Beitrag zur Blogparade: „Emotion schafft mehr Wert“ der Manufaktur für Wachstum und zu ihrer Auftaktfrage:
„Wir sind überzeugt, Emotionen schaffen mehr Wert bzw. Mehrwert. Sind wir damit allein?“

Auch ich bin überzeugt vom Wert der Emotionen, denn Menschen ohne ihre Emotionen sind reduzierte Menschen. Man sieht nicht den gesamten Menschen und man „bekommt“ nicht den ganzen Menschen. Damit verliert eine Organisation oder Firma Wissen und (immaterielle) Werte.

 

Emotion = Wissen = (Wissens-)Wert

Emotionen können kostbares Wissen sein, wenn damit z.B. Verständnis für Abläufe oder Kunden und Vorstellungsvermögen für Themen verbessert werden kann. Wenn damit Lernen im Berufsalltag besser möglich wird. Wenn sich so Orientierung in einer Firma geben lässt, sowie Konflikte erkannt und gelöst werden können und Gefahren abgewendet werden.

Wann sind Ihnen das letzte Mal Emotionen Ihrer Kollegen aufgefallen und was haben Sie dadurch erfahren, gelernt?

 

Emotionen: Ich weiß, dass ich es weiß. Ich weiß nicht, dass ich es weiß. …

Wissen besteht aus explizitem Wissen (Wissen dass wir eindeutig in Zahlen, Worten,… ausdrücken können) und implizitem Wissen (unbewusstes bzw. schwer (mit)teilbares Wissen, dass durch „Erleben und Erfahren“ entsteht – Polyani, 1985).

Das Feld Wissen ist ein weites genauso wie das Feld Emotionen und Wissen. Dazu gibt es vielfältige Betrachtungsweisen. Wenn Sie mehr wissen wollen, empfehle ich:

Das Emotionen Teil unseres Wissens sind, ist dabei unstrittig.

Wenn die Emotionen geäußert werden (dürfen), ist das schon einmal ein Schritt zu Wissen und zu Wertschöpfung. Wenn man sich der Emotionen oder der Emotionen hinter den Emotionen nicht bewusst ist, wird es schwieriger. Daher hier Vorschläge, wie man Emotionen explizieren könnte.

 

Emotionen sichtbar und nutzbar machen

Drei Wertschöpfungsformate:

1. Emotionsdiagramm
„Die Stimmung im Unternehmen ist wichtiger als Kapital und Wissen.“
Helmut Weyh

Ein kleiner, regelmäßiger Bestandteil einer Arbeitsbesprechung.
Ein einfacher Weg, Emotionen zu (er)kennen und deren Betrachtung & Nutzung alltäglich(er) zu machen.

Emotionen im Diagramm zeigen

Was war seit der letzten Besprechung meine bester und mein schlechtester Moment?

Jede/r markiert diese Punkte und gibt ihr/sein Namenskürzel hinzu.
Was hat mich da aus welchem Grund wie bewegt?
Stehen Punkte in Beziehung?
Was können wir daraus lernen, ändern, …?

2. Metaphernbild
„Man kann vieles unbewusst wissen, indem man es nur fühlt aber nicht weiß.‘‘
Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Was wäre, wenn unser Problem ein Garten wäre? Dieses Denkformat stammt aus „Visuelle Meetings“/“Visual Meetings“ von David Sibbet. Dort in Bezug auf eine Kundenbetrachtung verwendet:

Emotionen mit Metaphern zeigen

Der überraschend wirksame Garten

Ich habe diese Idee schon öfter zur Problembetrachtung in Strategie- und Visions-Workshops mit KundInnen verwendet. Sie ist jedesmal überraschend wirksam. Die Übertragung* in einen Garten, erlaubt mutige Betrachtungen, denn es ist ja nur ein Garten, quasi ein „Spiel“.

*Metapherein = Griechisch, bedeutet etwas von einem Ort zum anderen tragen.

Ich beginne mit einem braunen Strich für den Boden und frage: „Was gibt es in dem Garten oder ist er leer? Gibt es Pflanzen? Bäume, Sträucher, Blumen, Obst , Gemüse? Welche Pflanzen bringen noch keine, welche wenig, welche viele Früchte? Wachsen dort einjährige Pflanzen, mehrjährige Pflanzen?“ Mittlerweile habe ich einen Fragenkatalog, der Wissen und viele Emotionen hervorbringt und so ein Bild der Realität schafft, mit dem man weiterarbeiten kann.

3. Humor
Lachen: „Es ist das wichtigste Ventil unseres Lebens! So wie wir schwitzen, wenn es uns zu heiß ist, lachen wir, wenn sich unser Emotions-Apparat überhitzt.”
Heinz Marecek

Die befreiende Wirkung von Humor macht oft auch erst einmal klar, wie stark die Emotionen sind. Oder Lachen gibt überhaupt erst die Erlaubnis Emotionen zu äußern.

Ich erinnere mich an eine Besprechung, in der es eigentlich um einen Zustand einer Community gehen sollte, die leblos war. Doch keine/r wollte das so deutlich sagen. Bis ein Kollege genug hatte und sagte: „Das kommt mi hier so vor, wie beim Familientreffen. Alle wissen um die Konflikte, doch keiner sagt etwas und alle lächeln sich an.“ Ich habe dankbar mit allen gelacht. Damit hatten wir dann die “Erlaubnis”, dass Problem offen anzusprechen.

Emotionen mit Humor erlauben

Den Comic sprechen lassen

Und Humor verankert außerdem Emotionen a la Storytelling im Kopf. Meine Erfahrung mit der Community-Besprechung ist schon einige Jahre her, doch ich vergesse sie nicht und nutze die so gelernte Idee sehr gern.

Was bewegt sie, wenn Sie Comics in eine Präsentation einbauen? Vielleicht dürfen diese Comics auch Ihre Emotionen ausdrücken? Und geben Kollegen ebenfalls die Erlaubnis dafür?

Wenn Sie Ihren Vorrat dafür aufbauen möchten empfehle ich die Boards Comics Wissensmanagement und Comics Arbeit von Barbara Geyer-Hayden in Pinterest sowie meinen Board Fun with Data.

 

Emotion = großes Drama?

„Dass die Trainer manchmal ihrer Anspannung freien Lauf lassen, ist doch ganz normal. Die können ja keinen umhauen wie wir.“ Michael Ballack

Wenn von Emotionen die Rede ist, befürchten manche das große Drama. Doch es gibt ja eine Bandbreite von Emotionen, nicht alle Emotionen sind (Fußball-)Dramen. Und falls doch, gerade dann ist besondere Aufmerksamkeit zwingend nötig.

Außerdem kann man auch etwas für seine emotionale Fitness tun – als Bestandteil von persönlichem Wissensmanagement. Mehr dazu finden Sie in Kapitel 2 des Buches „Wissensmanagement für KMU“ von C. Scarimbolo und B. Geyer-Hayden.

 

Packungsbeilage zu diesem Post

Wissen, Wissensmanagement und Emotionen sind eine komplexe Materie. Zieht man an diesem Knäuel an einer Seite, bewegt es sich auch an anderen Seiten – vorhersehbar bis unvorhersehbar. Dabei spielt natürlich auch die Firmenkultur noch mit. Das heißt schnell mal etwas ändern, geht nicht.

Doch Pilotversuche als aktivierende Zeichen können bereits zeigen, wo Probleme oder mögliche Erfolge von Überlegungen, Ideen bzw. Aktivitäten liegen. Im kleinen Umfang können dabei auch Interaktionen zwischen Einflussgrößen ausgetestet werden für ein Emotional Knowledge Management bzw. ein Knowledge Management of Emotions. (Risak/Denscher/Bornemann/Hexelschneider, 2005)

Das beginnt mit dem 1. Schritt:
Einmal versuchsweise genauer hinzuschauen auf den Wissenswert von Emotionen.

 

Abbildungen von oben nach unten

  • Fotolia
  • Annette Hexelschneider
  • Sibbet, D. (2010) Visual Meetings. How Graphics, Sticky Notes & Idea Mapping Can Transform Group Productivity. John Wiley & Sons, Inc., Hoboken, New Jersey
  • Olejarz, J. (2014) Strategic Humor: Cartoons from the November 2014 Issue. In: Harvard Busienns Review Online, 13.11.2014


Quellen

(Polyani, 1985)
Polanyi, M. (1985) Implizites Wissen. Frankfurt am Main

(Risak/Denscher/Bornemann/Hexelschneider, 2005)
Risak, J./Denscher, G./Bornemann, M./Hexelschneider, A. (2005) Einführung und Verankerung von Wissensmanagement In: Plattform Wissensmanagement Jahrbuch 2005

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Von |2018-08-31T09:59:22+00:003. März, 2015|Systematisches Lernen, Visuelles Denken, Wissenstransfer|

3 Comments

  1. Jörg K. Unkrig 06/03/2015 um 21:51 Uhr

    Sehr guter Beitrag mit guten Informationen, die intressant aufbereitet wurden. Vielen Dank!

  2. Christine Paulus 02/04/2015 um 22:21 Uhr

    Guten Abend Frau Hexelschneider,

    ein wissens-werter Beitrag innerhalb der Blog-Parade!

    Was mich besonders anspricht, sind Ihre drei Wertschöpfungsformate:
    Metaphern und Humor sind reizvolle Zutaten für den Umgang mit Emotionen.

    Deshalb besten Dank für Ihre Gedanken und Anregungen!

    Herzliche Grüße sendet
    Ihnen Christine Paulus

  3. Stephan Stockhausen 02/05/2015 um 15:31 Uhr

    Liebe Frau Hexelschneider,
    ganz herzlichen Dank für Ihre Teilnahme an unserer Blogparade!
    Sonnige Grüße,
    S. Stockhausen

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