Tagung und Kongress: Interaktiv tagen – Wissen besser fließen lassen (Teil 5)

Interaktiver zu tagen, hilft vermitteltes Wissen besser zu verstehen und es sich besser anzueignen. Drei sehr einfache Methoden zum Ausprobieren stelle ich hier vor. Diese haben sich in meiner Arbeit bewährt und können gut für unterschiedliche Ziele von Fachveranstaltungen genutzt werden.

Dieser Blogpost ist Teil 5 meiner Serie zu Wissenstransfer auf Fachveranstaltungen. Ich habe sie anlässlich meines Vortrages auf der IMEX 2017 in Frankfurt begonnen:

In weiteren folgenden Teilen publiziere ich Formate und Anwendungsfälle.

Interaktiv tagen als Möglichkeit zur Reflexion

interaktiv tagen Zitat

John Locke bezog sich im Originalzitat auf das Lesen. Manche Tagungsvorträge sind Vorlesungen. Dialog mit dem Publikum ist schon ein Schritt zu Reflexion. Es braucht jedoch mehr Ausgewogenheit von Input und Reflexion. Nur dann erzielt eine Tagung das Ergebnis, dass neues Wissen zu neuem Handeln führt und so nützt.

Methode 1: Reflexionsposter

Die einfachste und flexibelste der hier vorgestellten Methoden sind Reflexionsposter. Das sind Poster auf Pinnwänden mit Fragen zum Tagungsthema beziehungsweise zu einzelnen Vorträgen der Tagung. Zum Beispiel mit Fragen zu Meinungen, Erfahrungen der Teilnehmer und zu Schlussfolgerungen aus den Tagungbeiträgen.

Sie geben Raum zum Durchdenken der vermittelten Inhalte. Teilnehmer kommen davor miteinander ins Fachgespräch. Wissen fließt in viele Richtungen. Es fließt auch zu den Referenten und Veranstaltern. Alle Beteiligten lernen dabei.

  • Überlegen Sie sich interessante Anregungen zur Reflexion.
  • Gestalten Sie dafür abwechslungsreiche Pinnwände und stellen sie je Pinnwand ein bis zwei Stehtische mit benötigten Materialien zur Verfügung.
  • Kündigen Sie die Möglichkeit zu reflektieren auf dem Podium an. Geben Sie dafür Zeit in der Agenda. Niemand muss seine Mittagspause opfern.
  • Bringen Sie danach die Pinnwände auf’s Podium und ziehen sie ein Fazit. Dies würdigt die Beteiligung und  die Expertise der Teilnehmer. Und ist zusätzliche Reflexion.

Ein weiterer Vorteil dieser Methode: die Pinnwände können, müssen aber nicht betreut werden.
Teilnehmer werden oft – wohlmeinend – überbetreut. Daher ist so ein Raum ohne Betreuung auch ermächtigend. Es genügt, wenn Moderatoren für eventuelle Rückfragen im gleichen Raum sind. Und wenn sie zu Beginn sowie in der Hälfte der Zeit vorbeischauen.
Je anregender die inhaltliche Gestaltung desto mehr Pinnwände werden besucht.

interaktiv tagen - Reflexionsposter

Beispiele von mir und Heidemarie Staflinger für die Tagung
„Kompetenzen und Qualifikation als Schlüssel zur Arbeitsbewältigung in der Pflege und Betreuung“
der Arbeiterkammer Oberösterreich.

Methode 2: Kollegiale Unterstützung (Peer Assist)

Peer Assist kommt aus dem Wissensmanagement. Es ist vielseitig nutzbar. In Events kann die Methode zur Reflexion beziehungsweise Vertiefung eines Themas genutzt werden.

  • Zum Beispiel indem Vortragende nach ihrem Vortrag in einem Raum zu einem Gespräch zur Verfügung stehen. Interessenten schreiben Ihre Fälle, Fragen, Vertiefungswünsche auf eine Karte und pinnen sie an eine Pinnwand. Dann werden die Karten gegebenenfalls noch geklärt und man kann abstimmen, welche 3 Karten einen am meisten interessieren. Diese beantwortet der Vortragende im Dialog mit den Teilnehmern.
  • Zur inhaltlichen Ergänzung können ähnlich auch Experten zur Verfügung stehen, die nicht vortragen haben. Und die weitere Gesichtspunkte zum Tagungsthema einbringen.
  • Eine andere Variante wäre ein moderierter Erfahrungsaustausch von Teilnehmern zu einem Teil-Thema der Tagung. Je nach Teilnehmeranzahl in parallelen Peer Assists zu verschiedenen Teil-Themen.
  • Man kann auch die Expertise der Teilnehmer fordern, indem in parallelen Sessions an einem „Fall“ – also einer Herausforderung zu einem Teil-Thema der Tagung gearbeitet wird.

Wichtig ist: die Teilnehmer bestimmen den Verlauf dieses Agenda-Punktes.

Methode 3: Wissensmesse (Knowledge Fair)

Ebenfalls aus dem Wissensmanagement kommend, ergänzt oder vertieft auch diese Methode eine Tagung oder Konferenz.

An Stehtischen oder Fipcharts oder Pinnwänden wird ergänzendes Wissen von Experten angeboten. Als zusätzliches Weiterbildungsangebot beziehungsweise zur Vertiefung.

Dies sollte auf jeden Fall an einem zentralen Ort geschehen. Also im Foyer vor dem Tagungsaal, hinten in einem Tagungssaal oder an der Seite oder beim Büffet. Also unübersehbar. Und mit Zeit und damit auch noch mehr Aufmerksamkeit dafür in der Agenda.

interaktiv tagen - Knowledge Fair
Ein Projektüberblick von Data Scientists bei booking.com bei ihrer internen Analytics Fair

  • Zum Beispiel können bei firmen- oder organisationsinternen Fachveranstaltungen interne Projekte und Services vorgestellt werden oder verfügbare interne und externe Wissensquellen.
  • Auf einer Verbandstagung stellen sich Arbeitsgruppen vor oder Projekte ihre Aktivitäten.

Auch hier kann man als Wertschätzung den Standbetreuern gegenüber und als weitere Vertiefung eine kleine abschließende Diskussionsrunde im Plenum nutzen. Die Standbetreuer fassen kurz zusammen was sie angeboten haben, was gefragt war und was sie gelernt haben.

Einfach interaktiv tagen

Alle vorgestellten Methoden sind sehr einfach umsetzbar und eignen sich für alle Arten von Fachveranstaltungen und Themen. Probieren Sie es einmal aus. Und lernen Sie daraus für die nächste Tagung und Konferenz. So können Sie Schritt für Schritt Ihre Methodenvielfalt zum Nutzen der Teilnehmer entwickeln.

Alle vorgestellten Methoden lassen sich in digitale Events übertragen.

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Von | 2017-11-23T19:18:59+00:00 24. November, 2017|Systematisches Lernen, Wissenstransfer|

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