„Gemeinsam kreativ – Innovation für die Ideenentwicklung in Teams“ verspricht das Buch von Martin J. Eppler, Friederike Hoffmann und Roland Pfister. Mich hat es interessiert, weil ich Herrn Eppler schon seit über einem Jahrzehnt als Pionier der Informationsvisualisierung schätze. Außerdem gehören kreative Strategien und Methoden zu meinem Handwerkszeug. Und ich erweitere sie ständig. Also habe ich den Verlag um ein Rezensionsexemplar gebeten. Das Ergebnis meiner Lektüre stelle ich hier vor.

 

Noch eine Kreativ-Strategie?

Ähnlich im Ansatz und doch verschieden in Details sind die Strategien für kreative Arbeit, die ich nutze:

  • „Kreatives Problemlösen nach Treffinger & Isaksen“,
  • „Design Thinking“,
  • „Wachstumsspirale© nach Blumenschein/Ehlers“,
  • „Gamestorming“.

Das „Creability“-Buches präsentiert eine weitere Strategie: den Bezugsrahmen „Kreativität unter Druck“ (Eppler et al., 2017, S. 28):

Bezugsrahmen „Kreativität unter Druck“

„Ein Rohdiamant erfordert eine harte und beständige Bearbeitung, bis daraus das volle Potenzial zur Geltung kommt.“ (Eppler et al., 2017, S. 28f)

Auch diese Herangehensweise folgt den Grundzügen der oben genannten Strategien. Es wird genauer hingeschaut, Ideen werden kreativ gefunden und ausgearbeitet. Und auch hier gibt es – wie oben – Unterschiede im Detail. Besonders interessant finde ich, den ersten Schritt als Verflüssigen zu betrachten.

 

Auf geht’s kreativ sein mit einem Werkzeugkasten

Ohne Warm-up legt man im Fitness-Studio nicht los und sollte man nicht joggen. Auch kreativ sind wir selten exakt  mit Workshop-Beginn. Daher nutze ich gern Warm-ups. Ich freue mich, dass die Autoren ebenfalls „Aufwärmmethoden zur Aktivierung des kreativen Potentials“ (Eppler et al., 2017, S. 24ff) auflisten.

Den Hauptteil des Buches umfasst der Werkzeugkasten an Methoden zu den 3 Phasen des Bezugsrahmens. Werden heute noch neue Kreativmethoden erfunden? Jein. Es gibt viele Klassiker, die sich bewährt haben und sich auch noch heute bewähren. Es gibt moderne Varianten von Methoden oder visualisiertere klassische Methoden. Und es gibt immer mal wieder eine Handvoll neue Methoden. Diese Vielfalt finden Sie in den Methoden im Buch.

Was ich an dem Buch auch schätze, ist ganz besonders eine nützliche Rubrik im Kurzsteckbrief zu Beginn jeder Methode: die damit „reduzierte Barriere“. Das sind wertvolle Hinweise. Zum Beispiel gibt es Methoden, die „Trittbrettfahren“ reduzieren.

Lohnt sich denn so ein weiteres Kreativbuch? Das kommt auf Ihre Ziele an. Ich interessiere mich, wie oben schon gesagt, für nützliche Varianten des grundsätzlichen Herangehens an Kreativität. Diese bekommt man dann im (Buch-)Paket mit Methoden. Auch wenn es bei den Methoden Überlappungen zwischen Büchern gibt, bieten Grundsatzwerke genügend modifizierte Methoden und genügend neue:

  • Blumenschein, Annette, Ehlers, Ingrid, Ute (2017) „Ideen managen. Eine verlässliche Navigation im Kreativprozess“, Rosenberger Fachverlag,
  • Gray, Dave, Brown, Sunni, Macanufo, James (2010) “Gamestorming. A Playbook for Innovators, Ruklebreakers, and Changemakers”, O’Reilly
  • Hennreich, Petra (2013) “Brainstorming for One. 50 Werkzeuge und Übungen für Ihre Kreativität“ Junfermann Verlag.

„Creability“ reihe ich daher sehr gern in diese Grundsatzwerke mit ein. Auch weil so viele visuelle Methoden enthalten sind.

 

3 Tipps

Wie immer in meinen Rezensionen teile ich 3 kleine Tipps mit Ihnen. Die ausführliche Beschreibung zu diesen Methoden finden Sie im Buch.

Diesmal habe ich die Tipps so ausgewählt, dass Sie auf der Buchwebseite der Autoren und der Autorin die Vordrucke dazu finden.

Reframing Matrix (Phase Aktivieren) (Eppler et al., 2017, S. 65ff)

Sicher ist uns allen klar, eine Herausforderung aus mehreren Perspektiven zu betrachten, macht sie besser bewältigbar. Damit findet man eher das tatsächlich notwendige Ziel. Außerdem wachsen mit den Perspektiven die Chancen für Ideen. Doch nutzen wir diese Selbstverständlichkeit? Ein einfaches Template macht es möglich.

1993 entwickelte Michael Morgan diese Methode. Eppler et al. schlagen zum Beispiel die Produktperspektive, die Planungsperspektive, die Potenzialperspektive und die Personenperspektive vor.

kreativ Reframing-Matrix

„Mögliche Darstellung für ein Dienstleistungsproblem“ (Eppler et al., S. 68)

Es sind andere beziehungsweise mehr Perspektiven je nach Situation möglich. Einer meiner Studierenden an der FH Oberösterreich fügte die geschichtliche Perspektive hinzu. „Hat es zu dem Problem nicht schon einmal eine gewisse Lösung gegeben? Da war doch was? Was war das? Warum gibt es das nicht mehr?“

Wie bei so vielen Kreativ-Methoden kann man diese hier für die nähere Betrachtung in der Vorbereitung der Ideenfindung nutzen und auch für die Ideenfindung.

Team-Thermometer (Phase Aktivieren) (Eppler et al., 2017, S. 59ff)

Die Methode  ist ein Stimmungsdiagramm (Mood Diagram).

kreativ Team-Thermometer

„Beispiel eines ausgefüllten Thermometers“ (Eppler et al., 2017, S. 62)

Diese paarweise Betrachtung in Teammeetings eignet sich meiner Meinung nach auch, um kreative Workshops zu betrachten und daraus zu lernen.

Kreativitätsblockade (Phase Aktivieren, Entwickeln) (Eppler et al., 2017, S. 91ff)

Diese „allmähliche Verfertigung der Idee beim Notieren“ (Eppler et al., 2017, S. 91) kann als 1-Personen-Methode genutzt werden.

Immer vorrätig auf dem Schreibtisch, hält sie fest, was einem so täglich für Ideen kommen. Kleine Felder mit verschiedenen Blickwinkeln sollen pragmatisch zu mehr als einem Stichwort auf einem Klebzettel ermuntern. Meine Erfahrung sagt mir, dass das Beobachten der eigenen Kreativität kreativer macht. Dabei kann die Methode helfen. Ich würde vielleicht ein bis zwei Felder anderen Aufgaben widmen.

Alle kurzen Tipps sind nur eine Sneak Preview in die 30 Methoden im Buch. Eine der verblüffendsten ist vielleicht jene. Mehr möchte ich dazu aber nicht verraten :-)

 

Fazit

Dieses Buch gehört für mich jetzt zu meinem Handwerkszeug.

Ein bewährter Mix an Weiterbildung für kreatives Handeln sind für mich die Lektüre von Fachbüchern, Blogposts und Methoden-Tweets, sowie eigene Entwicklungen. Und natürlich bringen Experimente und die Anwendung des Gelernten wieder viel neues Wissen.

Quelle:
(Eppler et al., 2017)
Autoren: Martin J. Eppler, Friederike Hoffmann, Roland A. Pfister
Titel: Creability. Gemeinsam kreativ – Innovation für die Ideenentwicklung in Teams.
Seiten: 274
Verlag: Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart
Jahr: 2017
ISBN: 978-3-7910-3837-7
Preis: 19,95 EUR