Das Netzdiagramm weiß mehr!

Jedes Diagrammformat – klug eingesetzt – bringt Erkenntnisgewinne. Manchmal braucht es dazu Extras wie Hinweispfeile mit Text oder Annotationen in „Sprechblasen“. Im Vergleich dazu sagt das Netzdiagramm/Radardiagramm schon als solches sehr viel mehr. Es hilft Ihnen, vielfältige Muster einfach zu erkennen und zu unterscheiden. Damit entstehen quasi kleine Modelle der Realität. Grund genug, diesem Format Aufmerksamkeit zu schenken.

Netzdiagramme

Das Netzdiagramm ist ca. 144 Jahre alt und immer noch sehr fit. Seine erste Nutzung wird Georg von Mayr um 1877 mit seinem Werk „Die Gesetzmäßigkeit im Gesellschaftsleben“ zugeschrieben. (Stapelkamp, 2013)

Ich habe hier im Blog schon zweimal in die Diagrammformat-Geschichte geblickt. Einerseits weil ich es wichtig finde, denen Wertschätzung zu bezeigen, die diese Erkenntnis- und Kommunikationsformate geschaffen haben. Und andererseits weil ich es verblüffend finde, dass sich diese Formate bewährt haben über so lange Zeit, auch mit den ravierenden Veränderungen in Technik und Kommunikation. Diese zwei Blogposts finden Sie hier:

Das Netzdiagramm stellt nicht einfach nur Werte dar, beziehungsweise ermöglicht Vergleiche. Es modelliert „Zustände“. Wie hier zwei Lebenssituationen

Netzdiagramm - Lebenswelten

Unterschiede bei kulturellen Freizeitaktivitäten nach höchstem Bildungsstand der Eltern
(Quelle: PISA 2009-Zusatzanalysen; Wimmer/Nagel/Schad 2011, S. 294) (Schönherr, Oberhuber 2015)

 

Es ist dazu in der Lage weil es quasi eine Mischform aus Tabelle, Balken- und Kreisdiagramm ist. (Stapelkamp, 2013) Neue Anwendungsformen betonen einen diese Aspekte wie zum Beispiel das Circular Column Diagram, Radial Stacked Bar Charts, Radial Histogram, Polar Area Chart. Mit neuem Wissensgewinn. Doch das ist Stoff für einen anderen Blogpost.

Beim klassischen Netzdiagramm verhelfen je nach Kommunikationssituation Linien oder Flächen zu Erkenntnissen.

Netzdiagramm - Softwarevergleich

Hier der Vergleich von Software

Nützlich könne auch Kombinationen aus Flächen und Linien für die Datenreihen sein.

Netzdiagramm plus

Wenn inhaltliche (Entwicklungs-)Stufen sichtbar kommuniziert werden, bekommt das Netzdiagramm quasi eine weitere Informationsebene hinzu. Das zeigen hier die beiden Beispiele.

Netzdiagramm - Niveauvergleich farbige Ringe

Unterschiedliche Niveaus werden durch die Ringfarben sichtbar

 

Netzdiagramm - Niveauvergleich Größe der Form

Durch die unterschiedlichen Kategoriewerte entstehen unterschiedlich große „Modelle“

 

Damit lassen sich auch Forschungsergebnisse gut strukturieren und klassifizieren.

Netzdiagramm - Cluster / Small Multiples

Hier ein Ausschnitt

Diagramm plus plus

Noch einen Schritt weiter gehen Eppler, Kernbach, Wiederkehr und Gassner. Bei ihnen ist das Diagramm ein Verständigungsmittel und ein Weg, implizites Wissen zu externalisieren. Ich benutze hierfür auch nicht mehr das Wort Netzdiagramm. Denn es ist kein klassisches Netzdiagramm. Unter anderem sind zum Beispiel die Maßeinheiten je Achse unterschiedlich. Außerdem werden Abhängigkeiten zwischen den Parametern der Achsen betrachtet. Nichtdestrotz beziehungsweise gerade deswegen entsteht ein besonders wissendes Netz. Und um Wissen geht es hier noch mehr als bei jedem Netzdiagramm.

Netzdiagramm - Kategorien im Blick

 

Es sollen Erfahrungen, Meinungen, Haltungen und Erkenntnisse von Projekt-Stakeholdern sichtbar gemacht und für das Projektmanagement genutzt werden. Also wird implizites Wissen externalisiert und kombiniert. Und im Projekt internalisiert. Ein Wissenskreislauf in Aktion.

Netzdiagramm - Abhängigkeiten

 

Die Achsen des Diagramms sind dabei wesentliche Parameter zum Projekt. Es werden Grenzen und Abhängigkeiten betrachtet. Wechselseitiger Austausch zwischen den Projektbeteiligten wird dabei ermöglicht und man bekommt die Chance, die Situation in unterschiedlichen Projektabschnitten zum Weiterlernen zu dokumentieren.

Netzdiagramm - das Projektmuster zum Start

Hier können Sie das gesamte Video ansehen

Netz oder Radar

Ob man es Netzdiagramm nennt oder Spinnennetz – dieses Diagrammformat verwebt Daten(fäden). Damit hat man viele Parameter auf dem Radar. Es ist es also wert, es wieder einmal zu nutzen.

 

Quellen:
Abbildungen
(Cannon, 2010) Cannon, R., A. (2010) Impact Evaluation Study: A Study of the Impact of the UNICEF MGP-BE Project on Participating Districts, Communities and Schools in Indonesia. A Report Submitted to UNICEF – Jakarta for the Mainstreaming Good Practices in Basic Education (MGP-BE) Project

(Cherubini, Nielsen, 2016) Cherubini, F., Nielsen, R. K. (2016) Digital News Project 2016. Editorial Analytics: How News Media Are Developing And Using Audience Data and Metrics. Reuters Institute for the Study of Journalism at the University of Oxford

(Eppler et al., 2014) Eppler, M.J., Kernbach, S., Wiederkehr, B., Gassner, P. (2014) The Confluence Diagram: Embedding Knowledge in Interaction Constraints. VGTCommunity. Video.

(Schönherr, Oberhuber 2015) Schönherr, D., Oberhuber, F. (2015) Kulturelle Beteiligung in Wien. Endbericht. SORA – Institute for Social Research and Consulting.

(Tsuboi, 2014) Tsuboi, T. (2014) Distinct phenotypes of speech and voice disorders in Parkinson’s disease after subthalamic nucleus deep brain stimulation. In: Journal of Neurology Neurosurgery & Psychiatry 86(8) · October 2014

(webanalyticstools) webanalyticstools. Ihr Guide für Web Analyse Systeme. Website.

Text
(Eppler et al., 2014?) Eppler, M.J., Kernbach, S., Wiederkehr, B., Gassner, P. (2014?) The Confluence Diagram Embedding Knowledge in Interaction Constraints. Website.

(Stapelkamp, 2013) Stapelkamp, T. (2013) Informationsvisualisierung. Web – Print – Signaletik. Erfolgreiches Informationsdesign: Leitsysteme, Wissensvermittlung und Informationsarchitektur. Springer.

Von | 2018-11-21T11:33:25+00:00 21. November, 2018|Daten, Visuelle Kommunikation, Visuelles Denken|

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