Sein eigenes Wissen und seinen eigenen Wissenszuwachs gut zu steuern und gut zu nutzen, ist eine große Chance für persönliche Weiterentwicklung. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Man überblickt es bei sich selbst. Doch was tun andere Menschen? Und was kann man davon lernen? Ich habe Frauen und Männer in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ihrem persönlichen Wissensmanagement gefragt. Sie geben ihre Erfahrungen und Tipps in den Folgen dieser Blogpostserie weiter.

Nach Angelika Mittelmann in Linz, Österreich und Thomas Michl in Weinsberg, Deutschland führt uns dieser Beitrag nach Zürich in die Schweiz zu

 

Regina Schlager

Sie ist studierte Sprach- und Literaturwissenschaftlerin und Philosophin. Sie begleitet sensible, vielfältig interessierte Menschen, sich mit sich selbst wiederzuverbinden und ihre Berufung zu gestalten. Nach langjähriger Erfahrung in Beratungsunternehmen im Wissensmanagement und im Learning & Development ist sie seit 2012 selbständig, seit 2019 in der gemeinsamen Firma ReConnect mit ihrem Mann Thomas Gressly. Sie arbeitet als Coach, Achtsamkeitsbegleiterin und Autorin. Regina Schlager kommt aus Wien und lebt in Zürich.

“Die Welt ist im Grunde nicht wissbar, aber es gibt Wissbares auf der Welt.” (Hans-Peter Dürr)

Mutig mit dem Herzen führen von Regina Schlager

Der Podcast Berufung gestalten: Selbst - Sinn - Leadership von Regina Schlager

Links zum Buch und Podcast, Video unten

Persönliches Wissensmanagement entwickelt sich ein Leben lang

Seit ihrer Kindheit sind Regina das Lesen, die Bücher, das Schreiben – zum Beispiel Notizbücher, Tagebücher – wichtig. Dies war sicher schon früh ein Festhalten von Informationen. Wissenschaftliches Arbeiten im Studium hat sie dann begeistert. Was andere daran eher abgeschreckt hat, begeisterte Regina: das Ordnen damals noch mittels Zettelkartei, das Lernen und Entwickeln von geeigneten Ordnungssystemen. Es erleichtert einem die Arbeit und ermöglicht auch anderen sich zurecht zu finden. Aus diesen Anfängen entstand unter anderem eine Literaturdatenbank, die sie seit dem Studium immer weiterführt. Eine Wissensreise von der Zettelkartei über Citavi bis zu Zotero heute.

Darin verwendet sie Kategorien für Projekte und verweist dort auf Artikel und Webseiten. Zitate erfasst sie wörtlich und sie vergibt für alles inhaltliche Schlagworte. Das entstandene System und den damit möglichen Zugang zu Wissen schätzt sie sehr. Vielleicht ist ein Antrieb dafür, dass Regina einmal Bibliothekarin werden wollte.

So müssen Ordnungskriterien selbstverständlich möglichst tool- und medienübergreifend einheitlich sein. Das gilt für die verbliebenen Ordner, also Papierablage wie für Mailfolder, Folder im Computer etc. Oder Bookmarks, die sie in der Cloud auf ihrem Server speichert. Regina findet sich dann besser zurecht.
Ein Hinweis von Regina für Sie, wichtig ist, sich immer wieder die Frage zu beantworten: „Wie kann ich mir den Umgang mit meinem Wissen leichter machen, damit mir mein Wissen besser nützt?“

Mindmaps und Concept Maps verwendet sie, um sich Wissen zu erschließen, sowohl mit Software, als auch mit der Hand erstellt.

QOwn Notes Der Weg zur Entscheidung für ein Notizbuch auf dem Computer war ein längerer Weg. Da kommt sehr viel hinein und es kann gut synchronisiert werden. Sie nutzt es für private und berufliche Notizen und entwickelt dort auch ihre Artikel für ihren Blog.

Wichtig ist ihr und ihrem Mann in ihrer Firma „ReConnect”, möglichst Open Source-Software zu verwenden. Dabei muss man jedoch viel Know-how haben und mehr Zeit investieren.

Papiernotizbücher verwendet sie weiterhin für tägliche Eintragungen.

 

Wissen entsteht auch im Dialog

10 Jahre arbeitete Regina im Wissensmanagement/Informationsmanagement einer internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Die damit verbundenen Sinnfragen, wie unter anderem „Kann man Wissen überhaupt managen?“, haben bei ihr erst einmal Distanz zu Wissensmanagement erzeugt. Jedoch macht einem die heutige Informationsflut klar, dass man lenkend eingreifen muss. Was ist wichtig? Was und wie hält man fest? Wie bereitet man es für sich auf? Wie kann man wieder zugreifen? So hat sich persönliches Wissensmanagement bei Regina mit zwei Schwerpunkten entwickelt. Auf der einen Seite, wie organisiere ich Daten und Informationen, und auf der anderen Seite der Austausch dazu. Sie schätzt Austausch und Dialog. Networking, wie sie es pflegt, nennt sie jetzt „Netcaring“, geht es doch darum, sich gegenseitig zu bereichern. Wenn man etwas formuliert, wenn jemand nachfragt, erst dann wird es zu Wissen, erst dann fügt sich etwas zusammen. Dafür hat Regina Formen gefunden, dies immer weiter zu entwickeln und regelmäßig zu tun. Zum Beispiel trifft sie sich 1x/Monat online mit einer Coachingkollegin. Neben konkreten Fragen ist das „Sprechdenken“ wichtig für die Entstehung und Vertiefung von Wissen, so können sich Gedanken und Ideen beim Reden entwickeln, verfeinern und vertiefen. Einen Link zu mehr darüber finden Sie unten. Die damit verbundene Wirkung habe ich mit Regina erlebt. Und ich hoffe, ich schaffe es, dazu endlich einmal meinen Blogpost zu veröffentlichen.
Auch Social Media-Kanäle sind wichtige Quellen für Lernen und Austausch.

 

Persönliches Wissensmanagement folgt der Aufmerksamkeit und verhilft zu Aufmerksamkeit

Es ist eine fortlaufende Auseinandersetzung für Regina, wie sie mit der Menge an Interessantem, Faszinierendem und Begeisternden umgeht. Es besteht eben die Gefahr der „Verzettelung“ und damit energetische Überforderung. Da braucht es eine positive Disziplin, also unter anderem nur bestimmte Zeiten für die Nutzung von Social Media. Und auch Zeiten der Medienabstinenz als Schutz gegen Medienüberforderung durch das, was auf einen einstürzt. Medienabstinenz kann bestimmte Abende ohne Medien bedeuten. Oder der Sonntag ohne Social Media und ohne Mails oder mal eine Woche. Dieses Fasten bedeutet, keine neuen Informationen aufzunehmen, um überhaupt einmal verdauen zu können, was man alles schon „verschlungen“ hat. Bei Nahrung spürt man schnell, dass es genug ist und einem mehr nicht guttut. Jedoch bei Medienspürt man es erst, wenn es schon sehr spät ist. Dies hat Regina veranlasst, die erwähnten Grenzen zu ziehen. Dafür kann man leider keine Strategie finden, die einfach immer so wirksam bleibt. Die Strategie lebt mit einem mit und entwickelt sich ständig weiter.

Reflexionsfragen von Regina für Sie, die Sie dies lesen, sind:

  • Wofür eigne ich mir Wissen an?
  • Was ist mein Ziel, meine Berufung, meine Vision?
  • Wofür benötige ich das persönliche Wissensmanagement?

Vielleicht überlegen Sie auch einmal zu Jahresbeginn: Was ist ein Schwerpunkt für mich in diesem Jahr? Lernen braucht und hat so Verankerung. Medienabstinenzzeiten ermöglichen, das erworbene Wissen zu reflektieren.

Auch wenn sich dann im Jahr die Arbeit ändert, zeigt sich im Rückblick dank der Ordnungssysteme, dass nichts verloren geht. Außerdem wird der rote Faden der eigenen Wissensentwicklung erkennbar. Eigene Entwicklungen werden steuerbarer dank persönlichem Wissensmanagement und die Essenz des Lebenswissens ist sichtbar. Ein wertvoller Lohn für die Gestaltung des persönlichen Wissensmanagements.

 

Unser Inneres ist auch eine Wissensquelle

Ein weiterer wichtiger Hinweis von Regina ist, sich klar zu werden und klar zu sein, dass Wissen nicht nur von außen kommt. Das war auch ein Erfahrungsweg für Regina.
Es gilt sich zu vertrauen, das und welches Wissen aus einem selbst entsteht. Ja, es ist von außen beeinflusst, doch es ist der Zugang zur intuitiven Stimme. Nimmt man das innere Wissen ernster, entfällt damit Druck, mehr und noch mehr von außen erwerben zu müssen. Denn das innere Wissen ist ein wichtiger Teil des Wissens.

 

Danke

Vielen Dank Regina, dass Du Deine Erfahrungen geteilt hast und diese Blogpostserie bereicherst. Wir kennen uns jetzt fast 13 Jahren und unerschöpflich bekomme ich Inspirationen von Dir. Danke!

Mehr zu Regina Schlager
Website mit Blog von Regina

Podcast und Video von Regina zu Der Podcast Berufung gestalten: Selbst – Sinn – Leadership

Blogpost von Regina zum oben erwähnten „Sprechdenken“: Die Grundlagen von TAE – Thinking at the Edge

Artikel auf LinkedIn

Regina Schlager – ReConnect Youtube Channel

Fortsetzung folgt
Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, was persönliches Wissensmanagement alles bedeuten kann, lesen Sie den Teil 1 und Teil 2 und Teil 4 dieser Serie.

Und bleiben Sie dran. Diese Serie wird fortgesetzt.

Titelbild Bob Jansen frei auf Unsplash.