Im Frühjahr 2020 bin ich online durch mein Arbeitsleben gerannt. Was ich mir in dieser Zeit erarbeitet habe, will ich auch in Zukunft nutzen. Um die Wissenwerte in meinen Erfahrungen zu erkennen, habe ich mir 3 Schritte der Reflexion überlegt. Nach dem Schritt I und Schritt II stelle ich hier den abschließenden Schritt III dieses „Dreisprungs“ vor.

Dreisprung der Reflexion

Reflexionsschritt III: Erkenntnisse in Handeln überführen

„Wissen muss sich in Handeln beweisen.“ Peter Drucker

Die erarbeiteten und in der Reflexion gehobenen Erfahrungen aus Schritt I und Schritt II gilt es nun verlässlich in neues Handeln zu überführen, damit sie sich wirklich lohnen. Das heißt, Ziele zu finden. Oder, wie bei meinem Beispiel in Schritt II, zu entscheiden, was man weiter tun möchte, was nicht und was man beginnen möchte.

Für die Umsetzung der Ziele haben sich für mich unter anderem folgende Methoden bewährt:
a) Micro Habits
b) Checklisten
c) Weekly Reviews

Damit man die Überführung in’s Handeln im Blick hat, sind in alle Methoden Visualisierungen integriert.

a) Micro Habits

Ganz kleine Gewohnheiten gewöhnt man sich leichter und nachhaltiger an. Einerseits sind die notwendige Überwindung und der Aufwand dafür dann nicht zu groß. Andererseits verfestigt sich ja die Gewohnheit, wenn man sie kontinuierlich tut, weil sie so klein ist. Außerdem motiviert ein so begründeter Erfolg, mal wieder mit einer weiteren kleinen Gewohnheit zu starten.

Einen weiteren Weg zum Erfolg damit sehe ich auch im „habit stacking“, also im Stapeln der von Micro Habits. Natürlich sollte das entstandene kleine-Gewohnheiten-„Sandwich“ noch “in den Mund passen” ;-)

Ein Beispiel von mir dazu: Da Stimme für mich ein Arbeitsinstrument ist, gehört zu meinem Arbeitstag ein kleines Training. Aufnahmen von Lehrveranstaltungen zum Nachschauen für Studierende, die nicht teilnehmen konnten, und von Workshops haben mir weiteren Verbesserungsbedarf gezeigt. Zusammen mit einer Weiterbildung zur Stimme von der FH Burgenland kenne ich jetzt neue Schwerpunkte. Dieses Üben baue ich neben dem täglichen Stimmtraining jetzt auch in langweilige Hausarbeiten ein. Kein Stress, dafür Spaß und Nutzen.

Starten sollte man mit einer Gewohnheit, die aus dem Rückblick (Schritt I und Schritt II) den meisten und/oder breitesten Nutzen verspricht oder ein Risiko reduziert/ausschaltet.

Natürlich gilt, sehend ändert es sich leichter. Dafür finden Sie hier kleine einfache Visualisierungen. So wie diese:

Habitchecker mit Büroklammern

Hineinlegen oder von einer fixen Zielzahl je Woche herausnehmen – beide Strategien helfen

Mehr?
Dann lesen Sie mehr zu den Micro Habits, zum Beispiel bei James Clear. Sein Buch zu „Atomic Habits“ ist auch in deutscher Sprache verfügbar. Ich erwähne es, weil ich es sehr hilfreich finde.
* Er stellt darin auch das „habit stacking“ vor.

 

b) Checklisten

Ich gebe zu, wenn mein Vater seine In-den-Urlaub-mitnehmen-Checkliste hervorholte, mussten sich alle außer ihm ein Lächeln verkneifen. Damals kannte man Survivaltrainings als Hobby noch nicht. Doch wir wären ganz gut darauf vorbereitet gewesen. Mittlerweile sehe ich, wenn es hektisch wird, vergisst man manchmal das Offensichtliche zu tun. Da können Checklisten verlässlich Qualität und Freude sichern. Sei es, dass man die leichte warme Weste auf der Wanderung tatsächlich dabeihat oder dass man alles für den nächsten Online-Workshop bedacht hat.

Außerdem wachsen Checklisten mit unseren Erkenntnissen mit, wenn man sie leicht aktualisierbar gestaltet. Das unten stehende Beispiel kann man mit verschiedenen freien Mapping-Tools (u.a. CMap-Tools, XMind 8) erstellen und so leicht optimieren.

Checkliste

Eine Concept Map als Checkliste (Deshpande, Ahmed, 2019)

Drei Arten von Checklisten stelle ich hier vor.

Ein kleiner Trick kann zusätzlich motivieren. Formulieren Sie die Überschrift oder das zentrale Wort als gut erreichtes Ziel. Also zum Beispiel für die oben erwähnte Online-Workshop-Checkliste: Für den umfassend vorbereiteten Online-Workshop.

 

c) Weekly Reviews

Ich führe schon lange einen einfachen Wochenrückblick. Hier halte ich unter anderem fest, worauf ich stolz bin, was noch nicht gelungen ist und warum, sowie wichtige Zitate. Warum ich Zitate festhalte, lesen Sie hier.

Um mehr im Blick zu behalten, möchte ich diesen Rückblick als eine Journey Map (Reiselandkarte) durch das Jahr visualisieren. Zwar mache ich oft ein Stimmungsdiagramm als Jahresrückblick. Doch dies ist aufwendig. Also führe ich es nun kontinuierlich mit.

Mit mehr im Blick meine ich, dass ich mit einer wöchentlich geführten Journey Map

  • einen besseren Überblick bekomme,
  • die Ziele aus den Erkenntnissen des 1. Halbjahres 2020 als Kategorien ohne großen Mehraufwand integrieren kann.

Die Umsetzung ist sehr einfach. Eine Tabelle genügt. Die Kopfzeile beinhaltet zum Beispiel die Kalenderwochen. In der linken Spalte notiert man seine Ziele, Beobachtenswertes. So ergibt sich je Woche je Ziel/Beobachtenswertem eine Tabellenzelle. Deren Inhalte kann man mit Farben und Icons für mehr Überblick kodieren. Das ist schnell machbar und erkenntnisreich.
Integriert man Platz für neue Reflexion, lernt man noch kontinuierlicher.

Meine Lehrreise, inklusive Reflexion

Die oben beschriebene Idee auf Lehrveranstaltungen angewendet (eigene Darstellung)

Mehr Beispiele finden Sie hier.

Wenn Sie diese Variante interessiert, können Sie gern gratis an meinem Online-Workshop dazu am 23.9. 2020 teilnehmen.  Dann ist auch der Tagungsband online mit meinem Beitrag aus dem die Abbildung/die verlinkten Abbildungen oben stammt/stammen. Die Fachveranstaltung findet 2020 als Online MOOC statt. Der MOCC öffnet bereits am 9.9.2020. Für meinen Workshop finden Sie darin die Materialien und die Einladung meine Formatidee bereits vorab im Forum zu diskutieren.

Den Dreisprung leicht springen

Dreisprung der Reflexion

Dieses Jahr hat uns bereits zur Jahresmitte sehr viel gelehrt. Damit uns diese Erkenntnisse nicht verloren gehen, sollten wir schon jetzt zurückschauen sowie die Ergebnisse dieser Reflexion gleich und besser nutzen. Dafür habe ich in dieser Serie Schritte und Methoden vorgestellt. Sie sind auch einzeln hilfreich. Skalierbar und kombinierbar sichern sie die eigenen Wissenswerte. Alles Gute dabei!

 

Quelle:
Deshpande, P., Ahmed, I. (2019) Topological Scoring of Concept Maps for Cybersecurity Education. Conference Paper SIGCSE ’19, February 27–March 2, 2019, Minneapolis, MN, USA.